Feuernebel

Feuernebel

Letzte Nacht, da träumte ich von einem vierzehnjährigen Mädchen, das mir seine Geschichte erzählte. Tatsächlich bin ich mir nicht sicher, ob ich von ihr träumte oder ob sie mich als Geist besuchte. Sicher ist, dass sie nicht mehr lebt und da ich befürchte, bald auch nicht mehr zu leben, erzähle ich euch ihre Geschichte.

Es war der 31. Oktober, also Halloween. Sie beschloss zusammen mit Freunden Süßigkeiten sammeln zu gehen. Da kamen sie an ein Haus, von dem das Mädchen wusste, dass dort eine alte Frau lebte. Das Haus aber lag dunkel und verlassen da. Deshalb wollten ihre Freunde dort nicht klingeln. Doch die Vierzehnjährige erinnerte sich daran, dass die alte Frau sehr einsam und immer nett war, deshalb entschied das Mädchen sich, bei ihr zu läuten. Ihre Freunde vermuteten, dass die Frau schon schlief und liefen zum nächsten Haus. Das Mädchen aus meinem Traum aber wollte unbedingt bei der einsamen Frau klingeln. Es erschien ihr wie ein Drang, dort unbedingt hin zu müssen. Der Asphalt wurde zu einem Kiesweg, denn das Haus stand am Ende der Straße. Dort wo eben nur noch Kiesweg war. Der Kies knirschte unter ihren Schuhen und sie hörte ihre Freunde kichernd zum nächsten Haus weiter in Richtung Stadt laufen. Aber es war nicht mehr weit zum Haus und sie wollte doch nur bei der einsamen Frau klingeln. Es fühlte sich schnell und zugleich langsam an, wie sie auf das Haus zuging. Kurz vor dem Haus, immer noch auf Kies, knirschte dieser unter ihren Füßen plötzlich nicht mehr. Sie schien über den Boden zu schweben, doch sie dachte sich nichts weiter dabei. Der Vorgarten der Frau war eigentlich gut gepflegt, doch ein Weg fehlte. Vor ihr lag nur brauner Erdboden, auf dem Blätter von Laubbäumen verteilt waren. Weiter vorne, vor der Haustür, befand sich dann aber noch eine Treppe aus Mamor. Sie lief über die welken, braunen und gelben Blätter, was aber kein Knirschen mehr verursachte. Dann stieg sie die letzten Stufen bis vor die Haustür nach oben. Gerade als sie auf die Klingel drücken wollte, öffnete sich die Haustür quietschend und da stand die Alte. Sie sah traurig und blass aus und mit ganz hoher Stimme schrie sie das Mädchen an:

„Verschwinde, bevor es dich entdeckt,

verschwinde, bevor es dich riechen kann,

verschwinde, bevor es weiß wer du bist,

verschwinde, bevor es dich heute Nacht findet,

verschwinde, ich hab‘ nichts Süßes,

verschwinde, mich hat es schon!“

Das Mädchen hatte keine Angst. Es sagte nur grinsend: „Wenn sie mich nicht hier haben wollen, sagen sie das doch einfach. Ich kann gehen“. Sie verließ das Grundstück und ging zu ihren Freunden. Da packte sie ein kräftiger Wind und schmiss sie im Gehen auf den Boden. Ihre Freunde starrten sie nur an und fingen an zu kichern, da sie dachten, sie wäre gestolpert, denn die Freunde des Mädchens hatten kein bisschen Wind gespürt.

Als die Vierzehnjährige sagte, „da war doch dieser Wind“, fingen ihre Freunde an zu lachen, „da war doch nichts, kein bisschen Wind!!!“. Das Mädchen erinnerte sich daran, dass ihre Eltern immer sagten, dass es für alles eine natürliche Erklärung gab und das ganze einfach nur ein Zufall war. Sie beendeten die Runde und das Mädchen erzählte keinem von dem Vorfall. Als sie auf dem Weg zurück am Haus der Alten vorbeikamen brannte es lichterloh und es war so heiß dort, dass sie nicht vorbeikonnten. Das Feuer knisterte und kam auf die Kinder zu, welche panisch schreiend davonrannten. Nur das Mädchen aus meinem Traum blieb stehen. Das Feuer umschloss sie, sie roch verbranntes Haar und verbrannte Haut. Doch es war nicht heiß es fühlte sich nicht heiß an, da schrie die Alte wieder, „soll ich dich verbrennen lassen?“ Sie kicherte und lachte. Die vierzehnjährige spürte den Geist der Alten um sich, wie sie sie berührte und dann wieder weiter davon rückte. Als Minuten später das Feuer gelöscht wurde, hatte sie sich nicht verletzt und stand genau an der Stelle, an der gerade noch Flammen waren. Die Feuerwehr erzählte ihr, die Frau sei verbrannt und man hätte keine Überreste gefunden. Aber dass das Mädchen das Feuer überlebt hatte, schien keiner zu bemerken. Ihre Freunde kamen zurück und gingen gemeinsam nach Hause. Keiner sprach sie auch nur im Geringsten über die ganzen seltsamen Ereignisse an. Vor ihrem Haus verabschiedete sich das Mädchen von ihren Freunden und ging den schmalen Weg neben der Einfahrt zur Garage nach oben zum Haus. Sie klingelte und ihre Eltern rissen die Haustür auf und umarmten sie. Ihre Mutter sagte: „Wir sind so froh, dass dir nichts passiert ist. Die arme alte Frau Thomson.“

Eine Stunde später lag sie im Bett und wollte gerade die Augen schließen, da tauchte der Wind wieder auf und plötzlich stand es dort. Was es war, wie es aussah sagte sie mir nicht, nur dass es da war und sie nur noch einmal blinzeln konnte bis sie nicht mehr lebte. Ich hörte von den zwei verbrannten Häusern an Halloween vor zwei Jahren. Man vermutete damals Brandstiftung, aber ich weiß jetzt, dass das Ganze zum Verbrennen und Zerstören der beiden Leichen, geschaffen von diesem Wesen, war und dass die Frau den Fluch dem Mädchen übertragen hatte und das Mädchen wahrscheinlich auf mich. Dies ist also eine meiner letzten Sätze, Wörter oder Erzählungen…page2image706080

Nika Sommerrock, 8D