„Wer das Live-Ereignis liebt, vermisst es, wenn es nicht stattfindet“ — Interview mit Herrn Busch

Mittlerweile haben wir am BurgGymnasium ungefähr ein Jahr „Ausnahmezustand“ hinter uns. Doch was bleibt nach einem Jahr Pandemie? Was hat sich für einzelne Mitglieder der Schulgemeinschaft verändert und wie nehmen sie die Situation wahr? Um dies festzustellen, haben wir Lehrer wie Schüler befragt. 
Herr Frank Busch, der Erdkunde, Englisch und Darstellendes Spiel unterrichtet und außerdem die Theater-AG leitet, stand der Perspektive dankenswerterweise Frage und Antwort: 

Max Opel: „Wenn Sie das letzte Jahr als Theaterstück inszenieren müssten, was für eine Art von Stück wäre es?“

Herr Busch: „Ich würde auf jeden Fall Masken einsetzen, das ist mal klar! Ich meine damit künstlerische Masken, die Maske als Symbol, nicht als Mundschutz. Um nicht von vornherein eine Dystopie anzulegen, was zu naheliegend wäre, würde ich überlegen, mit Elementen des absurden Theaters zu arbeiten.“

Max Opel: „Wie ist es für Sie, die Arbeit näher bei der Familie verbringen zu können?“

Herr Busch: „Ich bekomme durchaus mehr mit, etwa vom Schulalltag meiner Tochter (obwohl „Alltag“ das falsche Wort ist!) aber ich finde es nicht einfach, dass unser Zuhause jetzt in so gut wie jeder Beziehung auch unser aller Arbeitsplatz geworden ist (in Teilen kannte ich es ja vom Korrigieren und Vorbereiten).“

Max Opel: „Haben Sie während des „Lockdowns“ neue Erfahrungen gemacht oder sogar ein neues Hobby entdeckt?“

Herr Busch: „Ein neues Hobby habe ich nicht für mich entdeckt, aber ich habe natürlich neue Erfahrungen gemacht, sei es mit Distanzunterricht oder in der weitgehenden Beschränkung auf das familiäre Umfeld.“

Max Opel: „Vermissen Sie den „normalen“ Schulalltag?“

Herr Busch: „Ja! Ich bin nicht Lehrer geworden, um vorm Computer zu sitzen.“

Max Opel: „Wie empfinden Sie die aktuelle Situation?“

Herr Busch: „Im Privaten vermisse ich viel: all das, was alltäglich war und jetzt nicht stattfindet!“

Max Opel: „Wie finden Sie es, „auf Distanz“ Unterricht zu halten bzw. vorzubereiten? Und hat sich ein Fach in dieser Zeit besonders für Sie verändert?“

Herr Busch: „Ich empfinde das Unterrichten auf Distanz als Notlösung, was es ja auch ist. Das gilt aus meiner Sicht für jedes meiner Fächer. Am stärksten wirkt es sich sicher in DS aus, da hier der Unterricht noch stärker lebt von Gruppenarbeiten und SchülerInnen-Aktivität.“ 

Max Opel: „Was sind Ihre Erfahrungen mit verschiedenen Applikationen, die vorerst den Schulalltag bestimmen, zum Beispiel Big Blue Button, Sdui oder die HPI Schul-Cloud?“

Herr Busch: „Von den genannten habe ich persönlich mit Big Blue Button durchaus positive Erfahrungen gemacht.“

Max Opel: „Können Sie sich diese Apps auch in der Zukunft als Alternative oder als Erweiterung für den „normalen“ Unterricht vorstellen?“

Herr Busch: „Ich sprach oben von Fernunterricht als „Notlösung“. Face to face ist nicht zu ersetzen.“

Max Opel: „Wie empfanden Sie es, in der aktuellen Situation eine Abiturprüfung bzw. Leistungsüberprüfung vorzubereiten und durchzuführen? Außerdem: War für Sie als Lehrer das Abitur anders als in den vorhergehenden Jahren?“

Herr Busch: „Ich finde, das schriftliche Abi war relativ wenig von der Schulschließung betroffen. Die Themen werden immer mit großem Vorlauf eingereicht und nach den Weihnachtsferien begannen die Prüfungen planmäßig auch in diesem Jahr. Bezogen auf die mündlichen Prüfungen gibt es die größeren Veränderungen, insbesondere da es keinen Präsenzunterricht mehr gibt.“

„Wer das Live-Ereignis liebt, vermisst es, wenn es nicht stattfindet. Und, das sage ich jetzt ganz direkt den Schülerinnen und Schülern der AG, besonders, wenn wir einen langen Weg gemeinsam gegangen sind: Die gemeinsame Arbeit hat mir immer viel gegeben.“

Max Opel: „Da die Theater-AG dieses und letztes Jahr keine Stücke geben konnte, stellt sich die Frage, wie sehr Sie die AG und das Publikum vermissen?“

Herr Busch: „Wer das Live-Ereignis liebt, vermisst es, wenn es nicht stattfindet. Und, das sage ich jetzt ganz direkt den Schülerinnen und Schülern der AG, besonders, wenn wir einen langen Weg gemeinsam gegangen sind: Die gemeinsame Arbeit hat mir immer viel gegeben.“

Max Opel: „Könnten Sie sich vorstellen, mit der AG ein Stück aufzuführen, welches sich mit der momentanen Zeit auseinandersetzt?“

Herr Busch: „Ja. Absolut, auf jeden Fall! Vielleicht findet diese Auseinandersetzung nicht direkt und unmittelbar statt aber in irgendeiner Form ganz sicher. Wenn wir nicht nur Text auswendig lernen und aufsagen, setzen wir uns im Spiel mit dem auseinander, was uns prägt. Da wir in der AG unsere Stücke mit den Schülerinnen und Schülern entwickeln und uns diese Zeit alle prägt, gehe ich davon aus, dass die Erfahrung Einzug hält in unser Arbeiten und Verarbeiten.“

Max Opel: „Glauben Sie, dass die aktuelle Situation Auswirkungen auf die Darstellung in Theaterstücken selbst hat? Begünstigt diese Zeit eventuell räumliche Distanz als ein Stilmittel auf der Bühne?“

Herr Busch: „Im professionellen Theater ganz sicher. Wenn überhaupt gearbeitet werden konnte, so habe ich gelesen, dann mit Distanz.“

Max Opel: „Mit dem Fach Darstellendes Spiel kommt man ja erst in der Oberstufe in Berührung. Glauben Sie, dass es für die jetzigen DS-Schüler, die das Fach neu gewählt haben, anders ist als für die vorhergehenden Jahrgänge? Oder sehen Sie es sogar als eine Chance?“

Herr Busch: „Mit Sicherheit machen die SchülerInnen derzeit völlig andere Erfahrungen mit dem Fach. Ich gehe leider davon aus, dass diese Erfahrungen aufgrund der derzeitigen Bedingungen weniger intensiv sind. Das ist sehr schade.“

Max Opel: „Was ist das Erste, das Sie machen, wenn die Pandemie vorbei ist?“

Herr Busch: „In Geschäfte gehen, Essen gehen – recht unmittelbar, sobald möglich. Mit der Familie verreisen – bei nächster Gelegenheit.“

Max Opel: „Herr Busch, ich danke Ihnen im Namen der Perspektive für das aufschlussreiche Interview!“

Herr Busch: „Sehr gerne!“

Das Interview wurde geführt von Max Opel, MSS 13

Bild: pixabay