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Das Klopfen an der Tür

Als Mara das alte Haus ihrer Großmutter erbte, sagte man ihr, sie solle den Keller nicht betreten.

Nicht, weil er einsturzgefährdet war.

Nicht, weil dort etwas Gefährliches gelagert wurde.

Sondern einfach:

„Wenn du nachts drei Mal klopfen hörst, geh nicht nachsehen.“

Mara hielt das für eine dieser seltsamen Familienregeln, die niemand mehr erklären konnte.

Am ersten Abend regnete es.

Der Wind drückte gegen die Fenster, während Mara Kartons auspackte. Gegen Mitternacht wollte sie gerade das Licht löschen, als sie es hörte.

Klopf.

Sie erstarrte.

Klopf.

Aus dem Keller.

Dann, nach einigen Sekunden:

Klopf.

Mara starrte auf die Kellertür am Ende des Flurs.

Sie erinnerte sich an die Worte ihrer Mutter.

Geh nicht nachsehen.

Also ging sie schlafen.

Am nächsten Morgen war die Kellertür offen.

Mara war sich sicher, dass sie sie geschlossen hatte.

Sie ging langsam darauf zu.

Die Treppe verschwand in völliger Dunkelheit. Unten stand eine alte Glühbirne, die schwach flackerte.

„Hallo?“

Keine Antwort.

Dann bemerkte Mara etwas auf der obersten Stufe.

Einen kleinen, nassen Handabdruck.

Er war winzig.

Wie von einem Kind.

Sie schloss die Tür.


In der folgenden Nacht hörte sie wieder das Klopfen.

Diesmal kam es nicht aus dem Keller.

Es kam aus ihrem Schlafzimmer.

Klopf.

Mara öffnete die Augen.

Ihr Zimmer war dunkel.

Klopf.

Das Geräusch kam aus dem Kleiderschrank.

Sie hielt den Atem an.

Klopf.

Dann hörte sie eine Stimme.

Ganz leise.

„Mara…“

Sie sprang aus dem Bett und rannte aus dem Zimmer.

Im Flur blieb sie stehen.

Die Kellertür war wieder offen.

Und aus der Dunkelheit darunter kam dieselbe Stimme.

„Mara… komm runter.“

Sie wollte davonlaufen.

Doch dann hörte sie etwas, das ihr Blut gefrieren ließ.

Die Stimme klang genau wie ihre eigene.


Am nächsten Morgen rief Mara ihre Mutter an.

„Warum darf ich nicht in den Keller?“

Am anderen Ende herrschte lange Schweigen.

„Hat es angefangen?“, fragte ihre Mutter schließlich.

„Was?“

„Das Klopfen.“

Mara schluckte.

„Ja.“

Ihre Mutter begann zu weinen.

„Dann musst du sofort das Haus verlassen.“

„Warum?“

„Weil deine Großmutter dort unten nicht allein gestorben ist.“

Die Verbindung brach ab.

Mara stand reglos im Flur.

Dann hörte sie es.

Klopf.

Direkt hinter ihr.

Sie drehte sich nicht um.

Klopf.

Etwas atmete hinter ihrem Nacken.

Klopf.

Und eine Stimme flüsterte:

„Jetzt bist du dran.“

Mara rannte zur Haustür.

Sie zog sie auf.

Doch draußen stand nicht die Straße.

Draußen war der Keller.

Eine steile Treppe führte nach unten.

Und ganz unten wartete ihre Großmutter.

Sie lächelte.

„Du hast lange gebraucht“, sagte sie.

Hinter Mara fiel die Haustür ins Schloss.

Dann ging im ganzen Haus das Licht aus.

Und irgendwo tief unter der Erde begann jemand zu klopfen.

Klopf.

Klopf.

Klopf.

Jakob Wegmann, 7d