Demokratietag auf dem PFAFF-Areal

Am 14.06.2017 fand der Demokratietag statt. Zu diesem Anlass besuchten die Klassen 9a, 9c und 9d das Pfaffareal, auf dem sie über die Geschichte der Firma Pfaff was lernten, ein Gespräch mit einem ehemaligen Mitarbeiter führten und eine Führung über das Gelände bekamen.

Ich war sehr überwältigt, als ich das Gelände betrat. Zuvor sah ich es etliche Male von außen und betrachtete das Tor, während ich mich fragte, was dahinter steckt. Viele mögen ein heruntergekommenes Gelände als langweilig empfinden- mir ging es gegenteilig. Es steckt eine sehr interessante Geschichte dort drin, und auch, dass das Gelände so heruntergekommen ist, ist ein Teil dieser Geschichte. Zuerst gibt es nun ein paar Hintergrundinformationen zu dieser Firma, damit meine Erzählung aufschlussreicher wirkt. Gegründet wurde das Unternehmen vom Instrumentenmacher Georg Michael Pfaff. 1862 verkaufte er seine erste Nähmaschine, die heute im Deutschen Museum in München steht. Davor arbeitete er als Instrumentenbauer, doch er gab seine Tätigkeit irgendwann auf, um sich ganz dem Bau von Nähmaschinen zu widmen, die in dieser Zeit eine revolutionäre Neuheit waren. Nach dem Tod von Georg Michael Pfaff im Jahr 1893 übernahm sein älterer Sohn Georg Pfaff (1853–1917) das Unternehmen. Unter seiner Leitung wurde das Werk weiter ausgebaut und zwischen 1896 (Baubeginn 1894) und 1906 an den Galgenberg am damaligen westlichen Stadtrand von Kaiserslautern verlagert. Doch warum ist das Gelände so heruntergekommen, wie fand die Firma ihren Absturz? Die Hauptgründe waren, dass die Firma an Investoren verlor, dann die einseitige Herstellung von Nähmaschinen ohne eine

höhere Bandbreite von verkaufbaren Produkten und vor allem die steigende Konkurrenz, die die Nähmaschinen günstiger herstellte. Bei dem Gespräch mit einem ehemaligen Mitarbeiter wurde mir klar, wieso er dies freiwillig tat. Es waren gute Zeiten für die Mitarbeiter. Sie wurden gut bezahlt, was ungefähr dem heutigen Durchschnittsgehalt entspricht und es war ein

Gefühl von enger Verbundenheit mit der Firma da. Die Mitarbeiter nannten sich stolz „Pfaffler“. Ich sah, wie gerne er von dieser Zeit erzählte und es wurde sehr wohl deutlich, dass es ihm damals gut ging. Natürlich war der Untergang der Firma ein sehr großer Verlust. Die Menschen arbeiteten unter guten Bedingungen und hatten menschliche und annehmbare Arbeitszeiten. Brasilianische Arbeiter beispielsweise bekamen wesentlich weniger Geld für die gleiche Arbeit und das steigerte natürlich die Konkurrenz zu der Firma Pfaff, da die Maschinen für weniger Geld angeboten werden konnten. Mir persönlich gefiel die Führung sehr gut, denn es gab einen Mann, der uns neben der Führung noch viele Informationen mitgab. Das Pfaffgelände soll ausgebaut werden, jedoch existieren noch keine festen Pläne. Die Abrissarbeiten haben schon angefangen, doch es erweist sich alles andere als einfach. Zum einen müssen Schadstoffe wie beispielsweise Asbest beseitigt werden, um eventuelle Wohnblöcke anzubauen, zum anderen wird diskutiert, ob e

inige Teile des Geländes erhalten bleiben sollen oder nicht. Kostentechnisch wird sich das als schwer erweisen, ausschließen kann man das Ganze aber auch nicht. Es kamen viele Ideen zur Ausgestaltung des Geländes auf und es können immer noch interessierte Bürger ihre Ideen auf der Website von Kaiserslautern erläutern, denn diese werden gründlich bearbeitet. Als „Highlight“ der Führung betraten wir das höchste Gebäude des Pfaffareals. Es ist sechs Stockwerke hoch und es war schon sehr mühselig, sich die Stufen bis ganz nach oben hochzukämpfen. Während des Aufstiegs gab es trotzdem einige Eindrücke, die bei mir hängenblieben. Einen kaputten, alten Fahrstuhl, der auf die bereits erreichte Höhe hinwies. Die stickige, staubige Luft, die einem das Atmen erschwerte, sofern man eh schon unsportlich genug ist, sodass man nach drei Treppenabsätzen schon nach Luft ring. Alles wirkte so verlassen und leer, und es erschwerte mir sich vorzustellen, was für ein Treiben früher herrschte. Graffitis an der Wand, die die Heruntergekommenheit unterstreichen und auf leichtsinnige Menschen hinweisen, die die Einsturzgefahr oder die gefährlichen Schadstoffe unterschätzen. Doch die Mühe lohnte sich. Oben angekommen befanden wir uns in einem großen Raum mit geöffneten Fenstern, der uns einen atemberaubenden Blick auf das ganze Gelände und die Stadt bot. Da wurde mir erst bewusst, wie riesig das insgesamt 19 Hektar große Gelände eigentlich ist. Beschwingt von der herrlichen Aussicht ging es wieder nach unten.

Was ich mitnehmen konnte? Hinter allem steckt eine Geschichte und die Kraft der Fantasie lässt uns einen Einblick auf die frühere Zeit erhaschen. Eine volle Cafeteria von rund 1000 Menschen, die ihr Mittagessen zu sich nahmen- wie ausgestorben. Auch die neuen Chancen solcher „Ruinen“ nenne ich es mal werden gut veranschaulicht. Wer weiß, was in 30 Jahren mit dem Gelände passiert, ob es dort neue Wohnorte, Spielplätze und Einkaufsmöglichkeiten geben wird. Doch hoffe ich, dass ein wenig von dem Gelände in Erinnerung bleibt, wenn es auch nur eine Mauer ist.

 

Sandra Schorr, 9d