Einen SCHAUMKUSS, bitte!
Es ist gerade wieder Oktoberkerwe. Neben zahlreichen Fahrgeschäften freuen wir uns natürlich wie immer auch auf gebrannte Mandeln und Schaumküsse.
Schaumküsse gibt es heute in zahlreichen Varianten und unterschiedlichsten Füllungen und sie sind bei vielen Herstellern schon seit Jahrzehnten Tradition.
Auf den wenigsten Wägen findet man jedoch wirklich die Aufschrift „Schaumküsse“ oder „Schokoküsse“, wie sie vor allem in der Schweiz heißen, sondern die befremdliche Aufschrift „Mohrenköpfe“.
Was hat es mit diesem Begriff auf sich? Der Begriff „Mohrenkopf“ wurde erstmals im 19. Jahrhundert erwähnt, ein Bäcker aus Leipzig soll das süße Gebäck erfunden haben. Diese wurden auch „Indianer-Krapfen“ genannt. Ein nicht minder abzulehnender Begriff. Viele wenden heutzutage ein, dass der Begriff in keinem Fall negativ gemeint sei, immerhin handele es sich ja um ein beliebtes Traditionsgebäck. Das mag sein. Man muss man sich jedoch vor Augen halten, dass der Begriff während der Zeit des Deutschen Kaiserreiches erfinden wurde, einer Zeit, in welcher die europäischen Mächte mit ihrer aggressiven Kolonialpolitik die einheimische Bevölkerung in großen Teilen Afrikas unterworfen hatte. Die in europäischen Völkerschauen zur Schau gestellten Menschen galten damals als rückständig und der „weißen Rasse“ unterlegen.
Süßwaren wie der „Mohrenkopf“ entstanden damals als eine Marketingkampagne: Man versuchte mit Produkten exotischer Herkunft, ein breiteres Publikum anzuziehen, beispielsweise Seifen oder Zigarren. „Es war Teil einer kolonialen Kultur, die zum Ausdruck brachte, dass Afrika kein Kontinent ist, der sich selbst gehört, sondern ein Lieferant von Rohstoffen und Arbeitskräften. Letztlich ist Afrika für die Interessen der Europäer da, aber auch zum Genuss und zur Belustigung der Europäer“, so erläutert Kolonalhistoriker Bernhard Schär aus Zürich die Idee hinter dem Begriff. Der „Mohrenkopf“ sei, so Schär, Ausdruck einer Kultur, die Afrika nicht nur wirtschaftlich und politisch ausbeute, sondern symbolisch verspeise.[1]
Im 21. Jahrhundert erst wurden Stimmen laut, welche eine Abkehr von Begriffen wie „Mohrenkopf“ oder dem noch im 20. Jahrhundert gebräuchlichen „Negerkuss“ forderten. Heute findet man diese Bezeichnungen auf Produkten im Supermarkt zum Glück nicht mehr und wir finden, dass es allerhöchste Zeit ist, auch einmal die Kerwewägen umzusprayen und den Begriff endgültig aus dem 21. Jahrhundert zu verbannen!
Perspektive
Bild: Pixabay
[1] https://www.srf.ch/news/schweiz/kontroverse-um-schokokuesse-mit-dem-mohrenkopf-verspeist-man-afrika-symbolisch (Abrufdatum: 23.10.2024).
