„Jugend forscht“ seit 25 Jahren – ein Interview mit Herrn Bröhl

Jakob Lindon: Wieso machen sie Jugend forscht? Was inspiriert sie dazu?
Herr Bröhl: Vor fast 25 Jahren habe ich meine erste Jugend forscht – Arbeit betreut. Angeregt wurde ich von meinen Kollegen und der langen Jufo-Tradition, die bereits damals an unserer Schule existierte. Inspirationen für neue Forschungsthemen findet man in der Natur oder im Alltag. Es sind oft die kleinen Alltagsfragen, die zum Forschen anregen: „Ist der Mond am Horizont wirklich größer?“; „Wie kann ich perfekten Milchschaum herstellen“; „Warum fließt das Wasser nicht senkrecht die Duschwand herunter“; „Gibt es wiederkehrende Muster in Eisblumen?“ usw. Solche und ähnliche Fragen erwecken den Forschergeist bei meinen Jufo-Schülern und natürlich auch in mir. Meine Aufgabe ist es dann die Schüler anzuleiten, eine wissenschaftliche Fragestellung zu diesen Themen zu finden und diese durch Experimente zu beantworten.

Jakob Lindon: Was war ihr bisher größter Erfolg mit Jugend forscht?
Herr Bröhl: Der größte Erfolg resultierte aus meiner zweiten Jugend forscht-Arbeit, die ich 1995 hier am BurgGymnasium betreute. Drei Schüler der 9. Klasse beschäftigten sich dabei mit der Ausbildung von Mäandern. Sie hatten schon ein Jahr vorher sich mit der Ausbildung von Mäandern auf glatten Oberflächen beschäftigt und waren dort bereits sehr erfolgreich. Noch erfolgreicher waren sie dann ein Jahr später mit den Untersuchungen der Ausbildung von Mäandern auf natürlichen Untergründen. Also im Prinzip haben sie untersucht, wie die Windungen bei Flussläufen (Mäander) entstehen und wie sie sich verändern. Wir hatten damals einen großen Sandkasten im Keller der Schule aufgebaut und wochenlang Wasser durchlaufen lassen. Es wurde dann dokumentiert wie Mäander daraus entstehen. Diese Arbeit ist bis zum Bundeswettbewerb gekommen und erreichte dort den 5. Preis.

Jakob Lindon: Das ist mit dem Zeitdruck den sie als Lehrer haben bestimmt anstrengend. Finden sie, es ist die Mühe wert?
Herr Bröhl: Ja, auf jeden Fall. Ich finde es schön, aus dem alltäglichen Schultrott mit den festgeschriebenen Lehrplänen usw. herauszukommen. Man kann sich mit hochinteressierten Schülerinnen und Schülern den Dingen widmen, die man sonst im Unterricht nicht machen kann.

Jakob Lindon: Was finden sie am schönsten an ihrer Jugend forscht-Arbeit?
Herr Bröhl: Ich finde es sehr schön zu sehen, wie Schüler/innen lernen, wissenschaftlich zu arbeiten. Es macht mir immer sehr viel Freude, wenn Schüler/innen am Ende eines langen Weges, der mal mehr und mal weniger Unterstützung von Seiten des Lehrers bekommen hat, ihre Arbeiten mit Begeisterung beim Wettbewerb vorstellen. Zum Anderen freut es mich, wenn ich merke, dass die Begeisterung, die ich selber für ein Projekt zeige, von Schülern, aufgenommen wird und bei der Präsentation an ihrem Stand zum Ausdruck kommt.

Jakob Lindon: Sie waren ja einige Jahre im Ausland. Gab es da auch den Jugend forscht-Wettbewerb und wenn ja, wie ist er mit dem hier zu vergleichen?
Herr Bröhl: Mein Engagement für Jugend forscht hat sich durch meine dreijährige Auslandstätigkeit an der deutschen Schule Barcelona noch einmal deutlich gesteigert. Auf der Iberischen Halbinsel wird seit 2000 der Jugend forscht-Wettbewerb an deutschen Auslandsschulen ausgetragen. Es gibt mehr als 10 deutsche Auslandsschulen auf der iberischen Halbinsel und dort ist es dann so gewesen, dass man sich zum Regionalwettbewerb an einer dieser über 10 Standorte trifft, so dass der Regionalwettbewerb schon mit einer mehrtägigen Reise verbunden war. So bin ich mit meinen Schülern/innen von Barcelona aus einmal nach Sevilla und einmal nach Valencia gefahren. Ich selbst habe dann immer meine Jufo – Kollegen getroffen, mit denen ich mich austauschen konnte. Unter den Auslandsschulen war der Jugend forscht-Wettbewerb nicht nur ein Wettkampf sondern vor allen Dingen ein Austausch. Wir waren eine große „Forscher-Familie“ und man hat sich auch gefreut, wenn andere Preise errungen haben. In Barcelona hatte ich den Auftrag, von Seiten der Schule den Wettbewerb zu betreuen, aber nur die Betreuung der Schüler/innen stand im Mittelpunkt, sondern auch die Unterstützung einer Kollegin, die die Wettbewerbsleitung des Wettberbs Jufo-Iberia inne hatte. Dadurch habe ich auch noch mehr Einblicke in den Wettbewerb bekommen und konnte auch gute Kontakte knüpfen. Drei Mal durfte ich mit meinen Schülern zu den Landeswettbewerben nach Leverkusen und Bochum fliegen. Auch das war sehr interessant, in einen anderen Landeswettbewerb reinzuschnuppern. Mit diesen tollen Erfahrungen bin ich dann 2011 wieder zurück ans Burggymnasium gekommen und habe den Elan mitgenommen, so dass ich in den letzten Jahren immer mit vier bis fünf Arbeiten im Rennen bin. Das macht mir viel Freude und ich habe den Eindruck, den Schülern macht’s auch Spaß, denn es mangelt bei mir nicht an Nachfragen für neue Jugend forscht – Arbeiten.

Jakob Lindon, MSS 11