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Unangekündigte Tests abschaffen? – Pro und Contra

Seit diesem Schuljahr gibt es keine unangekündigten Tests mehr. Hier schreiben Matthis Straßer (MSS13) und Daniel Schröder (MSS13), was sie davon halten.

Pro (Matthis Straßer, MSS13):

Unser Bildungssystem geht in seiner Grundstruktur noch immer auf das 19. Jahrhundert zurück, eine Zeit, in der Kinder bei Fehlern geschlagen wurden, Mädchen kaum gleichwertigen Zugang zu Bildung hatten und in der die Bildung sehr stark vom Einkommen der Eltern geprägt war.
Ein Überbleibsel aus dieser Zeit sind die unangekündigten Tests, mithilfe derer man sich erhoffte, dass die Schüler ihr Wissen unter Stress und Druck in einer Art Schocktherapie wiedergeben.

In Mainz wurde richtig erkannt, dass diese unangekündigten Tests weder zeitgemäß noch zielführend sind.
Ich musste oft erleben, wie es ist, vor der nächsten Stunde keine Motivation oder Lernfreude zu verspüren – aus Angst und Unsicherheit, der Lehrer könnte mit einer unangekündigten HÜ in den Klassenraum kommen. Diese regelmäßige Anspannung wirkt sich dann auch negativ auf Motivation und Lernklima aus, wie die Bayreuther Studie zeigt.

Man darf auch nicht vergessen, dass es um Kinder bzw. junge Heranwachsende geht und nicht um „vollständige“ Erwachsene, von denen man dauerhafte Leistungsbereitschaft und Belastbarkeit erwarten sollte.

In einem Klassenraum sollte außerdem ein allgemeines Vertrauen zwischen Lehrern und Schülern bestehen, das auf gegenseitigem Respekt, Transparenz und Fairness beruht. Nur so kann eine Atmosphäre geschaffen werden, in der Schüler sich ernstgenommen fühlen und man ihnen zutraut, sich nach fairer Ankündigung selbstständig vorzubereiten. Das stärkt die Motivation und vermittelt, dass es nicht um „Überführen“ und „Erwischtwerden“ geht, sondern um den Fortschritt im Lernen.

Abschließend habe ich mich gefragt: Wen trifft ein unangekündigter Test am härtesten? Schüler, die sich zuhause bestärkt, strukturiert und unterstützt in einer ruhigen Atmosphäre auf den nächsten Tag vorbereiten können?
Nein – es trifft die Schüler am härtesten, die auf sich allein gestellt sind, nachmittags noch auf ihre Geschwister aufpassen oder nebenbei arbeiten müssen.

Durch die Änderungen des Bildungsministeriums können wir Schüler nun mit weniger Stress und Angst durch unseren Schulalltag gehen, und angekündigte Tests gleichen das soziale Ungleichgewicht zumindest ein Stück weit mehr aus.

Contra (Daniel Schröder, MSS13):

Der rheinlandpfälzische Bildungsminister Sven Teuber schafft im Handstreich unangekündigte Tests ab. Nach ungenügenden Absprachen und ohne Übergangszeit gelingt dem SPD-Politiker so ein PR-Stunt am ersten Schultag. Die (unangekündigte!) Neuregelung überrascht nicht bei einer Partei, die schon lange keine Politik mehr für die Arbeitnehmer und Leistungsträger dieser Gesellschaft, sondern für Sozialhilfeempfänger und Rentner macht.

Doch wollen wir kurz auf Polemik verzichten und die Substanz der Entscheidung betrachten. Unangekündigte Leistungsüberprüfungen, im Schulalltag also HÜs, sorgen für ein stetiges Lernen. Es genügt nicht, auf Aufforderung zu lernen, sondern man ist gezwungen, dauerhaft dranzubleiben und den Stoff zu verinnerlichen. Denn wenn man dies nicht tut, wird man bei der nächsten HÜ abgestraft. Das Ziel des Schulbesuchs ist schließlich nicht, dass man auswendiggelerntes Wissen in angekündigten Test und Klassen- bzw. Kursarbeiten wiedergeben kann, sondern, echtes Wissen und Fähigkeiten zu erlernen. Wer in unangekündigten Tests versagt, verfügt scheinbar darüber nicht.

Ganz grundsätzlich stellt sich die Frage, warum solche pädagogischen Details zentral von einer Landesregierung geregelt werden sollten. Wenn man es Lehrern nicht zutraut ihren Unterricht selbst zu gestalten und auszuwählen, welche Methodik in welcher konkreten Lerngruppe funktioniert, zeigt fehlenden Respekt vor Lehrern. Nach fünf Jahren Studium und zwei Jahren Referendariat sind diese hoffentlich kompetent genug, eigene Entscheidungen zu treffen. Ein Bildungsminister, der dies anders sieht, sollte sich dringend um eine Reform der Ausbildung von Lehrern bemühen, statt den Unterricht zu mikromanagen.

Mein Lieblingsargument gegen unangekündigte Tests ist aber, dass dann die Ergebnisse besser seien. Dass Schüler bessere Noten schreiben, wenn sie gelernt haben, ist wahrlich eine Erkenntnis für die es großen Intellekts bedarf, wenn sie auch nichts darüber aussagt, was die Schüler tatsächlich können.

Ganz in diesem Sinne schlage ich vor in Zukunft Verkehrskontrollen, Drogentests und Razzien nur noch nach freundlicher Ankündigung durchzuführen. Ich bin mir sehr sicher, dass dann statistisch belegt werden kann, wie die entsprechenden Gesetzesverstöße zurückgehen.