„Nicht so fest“

Welche Lehrkraft nahm dem Pritschenmeister sein Schlaginstrument weg und versohlte mal jemanden kräftig den Hintern?

Hier lautet die richtige Antwort: Frau Oeckinghaus. Auf einem „Waldumgang“, bei welchem nach alter Tradition der Standort eines jeden Grenzsteines den Teilnehmern mit einer Pritsche „eingebleut“ wird, verpasste sie als Grundschülerin dem Schuldezernenten eine Abreibung.

Perspektive: „Sie schlugen ja ihren Vater, den damaligen Schuldezernenten, mit der Pritsche. Wie lange erhielten sie Hausarrest dafür?“

Frau Oeckinghaus: „Normalerweise hätte ich für so eine Tat garantiert Hausarrest und Fernseh- oder Kassettenverbot bekommen (Anmerkung für die Jüngeren: Kinder in den 80ern und 90ern hatten noch kein Smartphone, was man hätte wegnehmen können). Allerdings waren die Rollen an diesem Tag vertauscht: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden auf solchen Grenzsteinen die Kinder mit einer Pritsche geprügelt, um sich die Lage der Steine zu merken, ganz nach dem Motto: „Die Waldgrenze soll die Jugend merken, die Pritsche hilfts Gedächtnis stärken“.

An diesem Tag wurde an jedem Grenzstein einem Erwachsenen die Lage des Steins „eingebleut“, jeder Stadtrat bekam auf einem Grenzstein eine Tracht Prügel mit einer dünnen Holzklatsche vom Oberbürgermeister persönlich. Als mein Vater dran war, hat der Pritschenmeister mir freiwillig sein Schlaginstrument überlassen, also habe ich sozusagen mit höchster Erlaubnis dieses Amt gewissenhaft übernommen!“

Perspektive: „Trägt er es ihnen heute immer noch nach?“

Frau Oeckinghaus: „Nein. Er hat zwar abends meiner Mutter erzählt, ich hätte ganz schön zugehauen, aber er hat darüber gelacht. Sogar, als meine kleine Schwester ganz nach dem Vorbild der größeren mit einem Holzlineal ihrem Papa auch einmal den Hintern versohlen wollte und sich von hinten angeschlichen und schwungvoll zugeschlagen hat.“

Perspektive: „Schlagen sie heute immer noch gerne zu?“

Frau Oeckinghaus: „Seit dem Ende meiner Hockeykarriere nicht mehr.“

 

Jakob Lindon, MSS 12

Foto: Frau Oeckinghaus als Grundschülerin, Privatbesitz Frau Oeckinghaus