Ausbau schneller Internetverbindungen: Wir kriegen es einfach nicht hin!

Ob im Freundes- und Familienkreis oder in den Medien, das Thema des Breitbandausbaus in unserem Land schlägt große Wellen. Meist aber im negativen Sinne, viele Endnutzer sind nicht zufrieden mit der langsamen Internetverbindung, die sie für ihr gutes Geld zur Verfügung gestellt bekommen.

Das „Internet der Dinge“ rückt immer näher. Autonomes Fahren, Smart-Home, VideoOnDemand-Dienste und eine große Cloud zum Speichern aller wichtigen Dateien: All das ist bereits Teil unseres Alltags. Aber was uns das Internet und seine zahlreichen Nutzungsmöglichkeiten anbelangt, so sind wir in Deutschland nicht genügend aufgerüstet für die Zukunft. Auch im internationalen Vergleich von den Kapazitäten der Internetleitungen liegen wir weit hinten.
Aber woran liegt das? Am Endnutzer? Manchmal. Am Provider? Meistens. An fehlenden Förderungsmitteln und falsch angesetzten Versprechen seitens der Bundesregierung? Immer.

Bis spätestens Anfang diesen Jahres sollte jeder Haushalt in Deutschland eine Internetgeschwindigkeit von mindestens 50 Mbit/s erreichen, das wurde uns von der aktuell geschäftsführenden Bundesregierung versprochen. Ist das heute so? Natürlich nicht.
Das liegt aber nicht an der Unfähigkeit seitens der Provider und Endnutzer, das Problem liegt viel tiefer.
Nämlich in der eigentlichen Formulierung des Versprechens der Regierung. Es wird gesagt, man wolle ein Geschwindigkeits-Ziel von 50 Mbit/s pro Haushalt erreichen. Es wird nicht erwähnt, wie der jeweilige Provider jeweils mit dieser Formulierung umgehen sollte und welche Technologien verwendet werden, um diesem Versprechen der Regierung gerecht zu werden.
Der Provider hat zwei wesentliche Möglichkeiten, die er in Betracht ziehen kann, um dem Endnutzer eine höhere Surf-Geschwindigkeit zu ermöglichen.

1. Die bewährteste Methode: Vectoring
Bei diesem Technik-Standard werden die bereits vorhandenen Kupferleitungen, die vom Verteilerkasten aus bis zum Endnutzer im Haus verlegt wurden, aufgewertet. Man verlegt von der Vermittlungsstelle des Providers bis zum Verteilerkasten, der sich in unmittelbarer Nähe des Hauses befindet, ein Glasfaserkabel. Vom Kasten aus geht es dann mit dem alten Kupferkabel weiter zum Haus des Endnutzers.
Statt also ein ganzes Glasfasernetz aufzubauen, werden hier massiv Kosten gespart durch partielle Wiederverwendung des Kupferkabels. Das Geld bleibt zwar gespart, aber der Nutzer muss im Vergleich zu anderen, besser aufbereiteten Technologien auch dauerhaft an Surfgeschwindigkeit einbüßen. Auch bei zunehmender Entfernung zum Verteilerkasten nimmt die Geschwindigkeit, mit der gesurft werden kann, aufgrund alter Technologie in den Kupferkabeln, rapide ab.

2. Die kostenintensive Variante: „Fibre to the home“
Unter „Fibre to the home“ versteht man die Bereitstellung eines Glasfaserkabels, welches immens hohe Internetgeschwindigkeiten jenseits der 1000 Mbit/s liefern kann, bis zum Haus des Endnutzers. Hier geht es oft um sehr hohe Kosten, da jeder einzelne Haushalt ans lokale Glasfasernetz angebunden werden muss, wohingegen beim Vectoring nur die örtlichen Kabel-Verteilerkasten angeschlossen werden. Hier bekommt der Nutzer eine stabile Internetgeschwindigkeit geliefert, die als Grundlage für die zukünftige Verwendung des Internets gesehen werden kann. Wenn auch mit einem schwerwiegenden Kostenpunkt.

Die Regierung hat also keine bestimmten Vorgaben gegeben, was die Art des Ausbaus, der vorgenommen wird, betrifft. Es war natürlich vorherzusehen, dass man die kostengünstigere Variante verwendet, da diese häufig beim Endnutzer die 50 Mbit/s-Marke knackt und aktuell von vielen Menschen hierzulande als „ausreichend“ angesehen wird. Hier sieht man aber noch viel Luft nach oben, da braucht man nicht mal unbedingt weit in die Zukunft zu schauen. Manche Anwendung treibt schon jetzt eine per Vectoring aufgebesserte Kupferleitung an ihre Kapazitätsgrenzen oder kann unter entsprechenden Umständen, welche Anwendung man denn gerade verwendet, gar nicht erst verwendet werden.

Möchten wir in Deutschland zukünftig also auf den „echten“ Breitbandausbau per Glasfaser setzen, suchen wir den Verantwortlichen also besser nicht beim eigenen Provider, sondern recherchieren zuvor erst einmal, von wem denn das eigentliche Zukunftsversprechen abgesegnet wurde und stellen dann fest, dass die Bundesregierung den Dienstleistern und Providern in diesem Fall einfach zu viele Freiheiten gelassen hat. Seitens der Regierung Deutschlands hätte man ein klarer definiertes Ziel anpreisen müssen. Beispielsweise, wie viele Kilometer Glasfaserkabel man bis 2018 in den Bürgersteigen liegen haben möchte oder gesetzliche Vereinfachungen, die den Breitbandausbau in unserem Land aus juristischer Perspektive vorantreiben.

Simon Tritschler, Klasse 9a

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