Baustelle BurgGymnasium

Alte, wackelnde Tische, kaputte Fenster, nicht funktionsfähige Jalousien, Toiletten ohne Klobrille und vieles mehr. Was nach unzumutbaren Zuständen klingt, ist bei uns leider traurige Realität. Ein Durchgang durch den M-Bau zeigt: Unsere Schule besitzt einen beträchtlichen Sanierungsbedarf. Fast jeder Saal in diesem trist-braunen Bau besitzt die wohl älteste vorstellbare Ausstattung. Die Tische und Stühle dort wirken so, als würden sie noch aus der Zeit stammen wo die Erde noch als eine Scheibe angesehen wurde. Man kann sich also in diesem Fall ja fast schon glücklich schätzen, wenn diese immerhin stillstehen und nicht wackeln. Das trifft auch auf unsere Heizungen und Deckenleuchten zu, die mal mehr, mal weniger funktionieren.

Verglichen mit den Zustand unserer Toiletten ist dies jedoch gar nichts. Mit Ausnahme der B-Bau-Toiletten ist der Zustand unserer Schulklos so schlecht, dass sich viele Schüler zweimal überlegen, ob sie hier tatsächlich ihren dringenden Bedürfnissen nachkommen wollen. Oft mangelt es an Papiertüchern, die Seifenspender funktionieren zumeist nicht und an einigen Toiletten fehlen sogar Klobrillen. Dieser Mangel an hygienischen Zuständen auf den Toiletten in Kombination mit nicht funktionsfähigen Fenstern in mindestens jedem zweiten Saal wirft die Frage auf, wieso hier nichts unternommen wird.

Die Antwort auf diese Frage ist relativ offensichtlich: Es mangelt an Geld. Wie unsere Stadt hat die Burg nicht die finanziellen Möglichkeiten, um ein Riesenprojekt wie die Renovierung des M-Baus vorzunehmen. Dennoch ist es umso bemerkenswerter, dass die Stadt unsere Schule in letzter Zeit mit Fördermitteln in Wert von 1,2 Millionen € zur Lärmbelastungsverringerung beglückt hat. Damit konnte sie sich als Retter in der Not erweisen, als die Schule letzten Winter neue Fenster geliefert bekam. Eigentlich sollte man sich doch darüber freuen, denn damit wäre ja eines der größten Probleme am Burg endlich beseitigt.

Aber natürlich gibt es da noch einen Haken. Oder in diesem Fall mehrere. Zum einen verzögerte sich der Einbau der Fenster aufgrund von Lieferungsproblemen der Herstellerfirma. Zum anderen wurden nur Fenster für den M-Bau bereitgestellt, was bedeutet, die zahlreichen defekten A und B-Bau-Fenster würden (vorerst) nicht ersetzt werden. Um das Ganze dann noch auf die Spitze zu treiben, wurden nicht mal Fenster für den gesamten Gebäudeteil geliefert, sondern nur welche für die Seite des M-Baus, die auf die Straße zeigt. Aber gut, wer braucht denn auch schon neue Fenster auf der Hofseite, ich meine, die sehen ja nur wir dusseligen Schüler. Jedoch haben wir jetzt immerhin teilweise neue Fenster, das ist dann doch immerhin schon mal eine Verbesserung, oder?

Leider nicht ganz, denn der Versuch, Probleme zu beseitigen, hat bedauerlicherweise neue erschaffen. Einige dieser neuen Fenster ließen sich nämlich gar nicht erst öffnen. So versperrt(e) eine Säule in M20 eines dieser neuen Wunderwerke. Der Fehler wurde zwar im Nachhinein behoben, doch dies schmälert die Erbärmlichkeit dieser Leistung auch nicht. In einigen Sälen, so z.B. M26 oder im Aufenthaltsraum, wurden zudem Teile der Decke entfernt, damit man mit dem Einbau beginnen konnte. Bis heute wurde die Decke nicht wieder verschlossen und es wird vor Ende des Schuljahres auch definitiv nicht mehr geschehen. Aber hey, es wurde Geld dafür bereitgestellt, dass wir die Außenfassade grau streichen konnten, denn wenn das Innere einer Schule zahlreiche Defizite aufweist, gibt es doch nichts Wichtigeres, als sich um die völlig intakte Außenfassade zu kümmern.

Damit zeigt sich direkt eines der Probleme von diesen Fördergeldern auf: Die Schule hat bei diesen kein Mitspracherecht. Die Stadt bekommt vom Land einen Topf an Geldern, die sie entsprechend versucht auf alle Schulen für bestimmte Zwecke zu verteilen. Diese Zwecke werden von der Stadt diktiert und die Schule, welche eigentlich am besten positioniert ist, um zu entscheiden, wie man die Gelder einsetzen könnte, bleibt außen vor. Es ist daher ein Hoffen und Bangen um die richtige Ressourcenverteilung. Somit ist es umso erfreulicher, dass die Stadt noch plant, uns für nächstes Schuljahr Geld für den Einbau für Fenster im A-, B- und der Hofseite des M-Baus sowie für die Erneuerung der Deckenbeleuchtung im M-Bau, bei der auch die noch offenen Decken geschlossen werden sollen, bereitstellt. Hoffentlich wird dies ohne allzu große Probleme, wie die schon seit Jahren verschobene Sanierung der Heizungen, ablaufen.

Dennoch bleiben damit viele Probleme ungelöst und die Stadt wird besonders jetzt nach dem FCK-Abstieg nicht in der Lage sein, diese zu lösen. Dementsprechend wäre es doch zu wünschen, dass das Land einspringen würde, denn die Bildung von Schülern geht nicht nur die Stadt, sondern jeden etwas an. Zudem ist das Land eben auch für die Verteilung der Fördergelder zuständig und könnte mit einer Erhöhung der Gelder nicht nur dem BurgGymnasium, sondern vielen weiteren Schulen helfen. Doch diese Hilfe bleibt derzeit aus, was natürlich nicht anders von dem Bundesland, das mit Bildungsausgaben von 6300€/Schüler im Bildungsranking der Länder auf dem vorvorletzten Platz rangiert, zu erwarten ist. An einen Fördermittelzuschuss ist bei solch einer Bildungspolitik gar nicht zu denken und wird unsere Schule wohl trotz Verbesserungen weiterhin in einen desolaten Zustand lassen.

Wenn das BurgGymnasium wenigstens ein Einzelfall wäre – ein Opfer der von Schulden überfluteten Stadt oder des geizenden Bundeslandes – doch das ist es leider nicht. Ein Ende Oktober im Spiegel veröffentlichter Artikel besagt, dass viele Lernanstalten deutschlandweit großer Sanierungen bedürfen. So wird dort über abfallenden Putz, undichte Dächer, Ratten in Versorgungsschächten und vieles mehr berichtet. Dagegen erscheint unser Gymnasium ja fast wie ein Paradies. Die „neue“ Bundesregierung will nun mit ihrer „Investitionsoffensive Schulen“ 3,5 Milliarden € für marode Schulen ausgeben, was jedoch bei einem Sanierungsbedarf von mehr als 30 Milliarden € wie ein schlechter Scherz erscheint.

Es bleibt daher abzuwarten, ob die Regierung, die schon die letzten vier Jahre kaum etwas gegen diese Probleme unternommen hat und derzeit mit allen Mitteln an der schwarzen Null festzuhalten versucht, trotz dringenden Investitionsbedarfs wirklich signifikante Schritte unternimmt, um diese Problematik in den Griff zu bekommen. Zu hoffen wäre es. Abschließend bleibt damit nur noch zu sagen: Es wird immer behauptet, wir Kinder seien die Zukunft; vielleicht wäre es auch mal an der Zeit, dementsprechend zu handeln.

Jakob Lindon, MSS12