Prag hautnah: Unsere letzte gemeinsame Reise voller Entdeckungen
Es ist kurz vor sieben, die Sonne ist gerade so zu sehen, und zur Überraschung aller ist die gesamte Schülergruppe vollständig. An diesem Montagmorgen starten wir gemeinsam mit den Lehrern Jonietz, Meyer und Schneider in unser letztes gemeinsames Abenteuer: eine Reise nach Prag, die Stadt der hundert Türme.
Nach einer reibungslosen Busfahrt, geprägt von lebhaften Unterhaltungen, Kartenspielen, endlosen Landschaften und kleinen Schläfchen, erreichen wir am Nachmittag unser Reiseziel. Laut Programm war nun Freizeit bis zum Abendessen vorgesehen. Die Lehrer entscheiden jedoch, dass es eine gute Idee sei, die vorhandene Zeit zu nutzen, um die Stadt bereits ein wenig zu erkunden – sehr zum Bedauern der Schüler, die sich auf eine entspannte Zeit im Zimmer gefreut hatten.
Trotzdem raffen wir uns auf und versuchen, Herrn Jonietz’ strammem Schritt zu folgen, was einigen aufgrund anderweitiger Beschäftigungen wie Fotografieren schwerfällt. Wir sammeln erste Eindrücke von Prag, dessen Altstadt sich durch viele ähnliche Gassen auszeichnet. An der berühmten Karlsbrücke angekommen, gewähren uns die Lehrer eine 20-minütige Pause, die von den meisten jedoch nur genutzt wird, um die Brücke zu überqueren und die Straßenmusiker zu bestaunen. Anschließend kehren wir ins Hotel zurück, wo wir vom 3-Gänge-Menü positiv überrascht werden und den Abend entweder mit weiteren Erkundungen der Stadt oder in ruhiger Atmosphäre im Zimmer verbringen.
Die Hoffnung, am nächsten Morgen einigermaßen ausgeschlafen aufwachen zu dürfen, wird uns bereits am Vorabend genommen, als wir erfahren, dass das Frühstück täglich um 7:00 Uhr beginnt.
Entsprechend trottet ein Großteil der Gruppe mit müden Blicken zum Frühstücksbuffet. Wer verschläft oder zu spät kommt, wird von den Lehrern mit der verantwortungsvollen Aufgabe betraut, die Tasche mit wichtigen Dokumenten zu tragen – natürlich ohne Zwischenfälle.
Die anstehende Stadtführung beginnt mit der Aufteilung unserer Gruppe auf zwei Tourguides. Wie von selbst sortieren sich die Gruppen nach Geschlechtern. Der Guide der Mädchengruppe füllt die dreistündige Tour mit Informationen über den Aufbau Prags, historische Fakten und Märchengeschichten zu Sehenswürdigkeiten. Zwischendurch stellt er Fragen, um unser Zuhören zu prüfen – und bemerkt schnell, dass es unserer Gruppe wohl an einer längeren Aufmerksamkeitsspanne mangelt.
Trotzdem bringt uns der Guide Prag auf sympathische Weise näher – im Gegensatz zur Führerin der Jungsgruppe, die anscheinend eher weniger begeisternd ihr Wissen vermittelte.
Nach der Übergabe eines Trinkgeldes, das ein Schüler mit gutgewählten Worten trotz mäßiger Begeisterung überreicht, folgt eine Bootstour auf der Moldau. Endlich zeigt sich die Sonne, und die Zeit wird genutzt, um Pläne für den weiteren Tag zu schmieden, Eindrücke festzuhalten und geschickte Nahaufnahmen von Mitschülern zu machen, die fast Paparazzi-Qualität haben.
Anschließend gehen die Schüler in kleinen Gruppen getrennte Wege – natürlich immer mindestens zu dritt – und verbringen den Nachmittag mit Shoppen, Cafébesuchen oder dem anstrengenden Aufstieg zur Prager Burg, von der man eine beeindruckende Aussicht über die Stadt genießt.
Am Abend gelingt es der Gruppe, die Lehrer zu überzeugen, die Ausgangssperre um eine Stunde nach hinten zu verschieben, damit wir ein Champions-League-Spiel sehen können. Herr Jonietz willigt vorschnell ein, was Frau Meyer missmutige Blicke entlockt, da sie die Zimmerkontrolle, aufgrund von Müdigkeit lieber frühzeitig hinter sich gebracht hätte.
Am dritten Tag führt uns unser Ausflug nach Theresienstadt (tschechisch: Terezín). Nach einer einstündigen Busfahrt erfahren wir, dass wir noch etwa eine Stunde Pufferzeit auf einem großen Schotterparkplatz verbringen dürfen.
Die anschließende deutschsprachige Führung durch « die Kleine Festung » beginnt. Diese diente bereits vor dem Zweiten Weltkrieg als Gefängnis für politische Häftlinge. Obwohl es sich nicht um ein Vernichtungslager handelte – Gaskammern gab es hier nicht – kamen dennoch viele Menschen durch menschenunwürdige Bedingungen und Foltermethoden ums Leben.
Die junge Führerin bringt uns die tragische Geschichte der Festung näher. Danach besichtigen wir ein nahegelegenes Krematorium. Bevor wir hineingehen, beschließen die Lehrer, uns über eine Lautsprecheranlage noch zusätzliche historische Informationen zukommen zu lassen. Vor lauter Begeisterung sitzen die Schüler am Ende der circa 30- minütigen Flut an Informationen alle auf dem Boden. Anschließend geht es zu Fuß in die Stadt, wo wir unsere Mittagspause verbringen – zufällig fast alle im gleichen Bistro, begründet durch die begrenzten Auswahlmöglichkeiten. Die daraus resultierende Verzögerung nehmen die Lehrer jedoch mit Gelassenheit.
Zum Abschluss des Tages besuchen wir das Ghetto-Museum. Zunächst scheint es geschlossen zu sein, was in einigen Schülern Hoffnung auf eine
frühe Rückkehr weckt. Dies löst sich jedoch auf sobald es den Lehrern gelingt die Tür zu öffnen. Wir besichtigen das Museum eigenständig und lesen – mal mehr, mal weniger gründlich – die Infotafeln. Die Rückfahrt nach Prag und der Abend verlaufen ohne besondere Vorkommnisse.
Am letzten Tag unserer Fahrt erwartet uns ein Zusammenspiel aus Sehenswürdigkeiten, Fußmärschen und zahlreichem Posieren. Zunächst besuchen wir die Jerusalemsynagoge, zu der wir nach nur fünf Minuten Fußweg vom Hotel deutlich vor der Öffnungszeit ankommen. Die gewonnene Zeit nutzen wir für Fotos – bis uns eine Angestellte in gelinde gesagt unhöflichem Ton auffordert, den Eingangsbereich doch bitte zu verlassen.
Drinnen bewundern wir die beeindruckende Architektur und erfahren über Tafeln, Diaschauen und Reportagen viel über die Geschichte der Synagoge.
Nach einer kurzen Pause fahren wir zum Prager Fernsehturm Žižkov, von dem aus wir eine atemberaubende Aussicht auf die Stadt genießen. Der Aufzug in luftige Höhen ist allerdings nichts für Menschen mit Höhenangst. Weiter geht es zu einem weiteren Aussichtspunkt, an dem erneut Gruppenfotos – diesmal unter verschiedenen Sonnenwinkeln – geschossen
werden.
Zum Abschluss besichtigen wir einen Friedhof, auf dem angeblich Franz Kafka begraben sein soll. Diese Information stellt sich jedoch als falsch heraus. Stattdessen finden wir das Grab des Komponisten Bedřich Smetana, bekannt für die Symphonie „Die Moldau“. Herr Jonietz nutzt die Gelegenheit, nostalgisch von seinem Musikunterricht zu schwärmen. Den restlichen Tag erhalten wir Freizeit, die eifrig genutzt wird um noch einfallsreiche Geschenke aus Souvenirgeschäften zu erwerben.
Die Rückfahrt nach Kaiserslautern verläuft ebenfalls ohne Probleme. Sie wird genutzt, um Schlaf nachzuholen, der in den vergangenen Tagen etwas zu kurz kam, Fotos auszusortieren und die Erlebnisse der Fahrt Revue passieren zu lassen.
Abschließend lässt sich sagen, dass diese Studienfahrt eine wunderbare Reise war, auf der man seine Mitschüler auf neue Art und Weise besser kennenlernen konnte und die einen wichtigen Meilenstein auf der Zielgeraden unseres Schulweges darstellte.
Weitere Impressionen unserer Studienfahrt gibt es auch auf Instagram.
Bethi Hauck (MSS 12)
