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„Waren wir nicht alle mal Freunde?“

„21“ feiert Premiere am BurgGymnasium


Vor einer undurchdringlichen Urwaldkulisse formiert sich eine Gruppe Teenager. Ihre Gesichter blicken starr in die Menge. In ihren Händen halten sie speerähnliche Stöcke, die sie zu den Rhythmen von „Run Boy Run“ dumpf auf den Bühnenboden schlagen.


Szenenwechsel. Eine jugendliche Tanzgruppe ist auf dem Weg nach Australien mit einem Flugzeug auf einer einsamen Insel abgestürzt. Pilot und Betreuer sind ums Leben gekommen, und nun müssen sich die Jugendlichen nicht nur allein durch die Wildnis kämpfen, sondern erleben auch den allmählichen Zerfall von Beziehungen, Freundschaften und ihrem eigenen Selbst – 21 Tage lang.
Die Eigenproduktion „21“ der Theater-AG „spielzeit“ basiert auf dem Roman „Herr der Fliegen“ von William Golding und feierte am 01.06.2026 ihre Premiere. Auf beeindruckende Weise zeigten die jungen Darstellerinnen und Darsteller, wie schnell aus enger Freundschaft Rivalität entsteht, wie Mobbing und Gewaltbereitschaft wachsen und schließlich nur noch das Recht des Stärkeren herrscht.


„Kill the Pig!“
Zunächst finden sich die Jugendlichen in drei voneinander unabhängigen Gruppen wieder. Sie wissen nichts von der Existenz der jeweils anderen. Das Signal eines glänzenden Muschelhorns soll die Gemeinschaft zusammenhalten, während zunächst klare Aufgaben verteilt werden. Doch das paradiesische Miteinander währt nicht lange.
Zwischen Alex (authentisch: Ben Terner) und Jacky (überragend: Sophie Nittmann) kommt es schon bald zum Bruch über die Frage der Essensbeschaffung. Jacky wird zur autoritären Anführerin der „Jäger“ (herausstechend: William Kane, Luana Menches), die mit ihrem Schlachtruf „Kill the Pig!“ schon bald eine gnadenlose Hetzjagd auf Tiere beginnen.
Auch die zweite Gruppe scheitert als Gemeinschaft, als die naive Steph (überzeugend: Fabienne Schuler), die alles als ein „großes Abenteuer“ betrachtet, sich mit ihrer ehemaligen Freundin Emma (stark: Mia Reuland) überwirft. Hinzu kommt das Thema Eifersucht, das die einstigen Freunde Karlo und Kev (überzeugend gespielt von Leo und Linus Kehrer) entzweit.
Die dritte Gruppe zerbricht nicht weniger am Druck der Extremsituation und fordert bereits zu Beginn ihr erstes Opfer: Frieda (herausragend: Marie Okindo), die als „Piggy“ verspottet wird und die Gruppe schließlich verlässt. Gnadenlos agieren dabei die Mobber, authentisch verkörpert von Birte Böckly, Paul Schieffer und Jannis Reis.


21 Tage
„Waren wir nicht mal alle Freunde?“, hört man die verzweifelte Steph am Ende rufen, als die mittlerweile völlig entfremdeten Jugendlichen schließlich wieder aufeinandertreffen. Und auch wenn die Rettung von der Insel nach 21 Tagen zum Greifen nah erscheint und man sich am Schluss wieder freundschaftlich die Hände reicht, haben sie doch eines für immer verloren: ihre kindliche Unschuld.


Mit „21“ hat die Theater-AG „spielzeit“ erneut einen Klassiker auf die Bühne gebracht. Dabei gelingt es ihr auf eindrucksvolle Weise, die brisante und teilweise schwer verdauliche Thematik aktuell aufzubereiten und zugleich auch für junge Menschen zugänglich zu machen. Ein imposantes Bühnenbild, stimmungsvoll eingesetzte Musik und ausdrucksstarke Choreografien verleihen dem Stück zusätzliche Wirkungskraft.
Wie immer gebührt dem Team um Simone und Frank Busch sowie der gesamten Theater-AG großer Respekt und herzlicher Applaus für diese wunderbare Inszenierung.


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