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Preisträgerehrung in Paris

1.Preis beim Wettbewerb “Notre-Histoire – Unsere Geschichte – Bertrand Herz” des
Institut français
Zu Beginn des Schuljahres startete unser gemeinsames Projekt des Französisch-LK (MSS
11) und des Geschichte-Bilingual-GK (MSS 12) des Burggymnasiums in Kooperation mit
Schülerinnen und Schülern des Collège Jean Bouin aus unserer Partnerstadt Saint-Quentin.
Hierbei sollte es sich um eine Verknüpfung von Geschichte und französischer Sprache
handeln, welche wir in Form eines französischen Comics, einer sogenannten “Bédé”, zum
Ausdruck bringen wollten. Der Comic sollte das Schicksal zweier jüdischer Familien aus
Kaiserslautern und Saint-Quentin, zur Zeit des Nationalsozialismus, darstellen. Hierbei
behandelten wir die Familie Apel aus der Partnerstadt und die Franzosen übernahmen die
Familie Dalsheim aus Kaiserslautern, womit wir unsere “Bédé”, mit dem Namen “Les
passeurs de mémoire” (“Die Hüter der Erinnerung“) zusammenfügten. Neben einer
Ausstellung im Rathaus, reichten wir unser Projekt außerdem beim Wettbewerb “Notre
Histoire – Bertrand Herz” vom Institut français ein. Dafür setzten wir uns mehrere Wochen
mit den tragischen Familiengeschichten auseinander, zeichneten und verfassten fleißig
Texte. Um unser Projekt, passend zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus,
am 28. Januar, im Rathaus auszustellen und an der Gedenkveranstaltung am
Synagogenplatz teilzunehmen, bekamen wir Besuch von den französischen Schülern. Nach
ihrer Abreise warteten wir alle sehnsüchtig auf die Ergebnisse des Wettbewerbs, denn
unsere Teilnahme war durch unsere binationale Gruppe etwas Erstmaliges. Als wir dann im
April schließlich die Nachricht bekamen, dass wir tatsächlich gewonnen haben, war die
Freude groß und wir eiferten auf den Preis hin. Geplant war ein Empfang in der
französischen Botschaft in Berlin, jedoch wurde dieser schließlich nach Paris verlegt, um die
Anreise der französischen Mitwirkenden zu vereinfachen.
Am 28. Mai 2026 trafen sich die Schüler des Burggymnasiums daher schon früh am
Hauptbahnhof, um zusammen nach Paris zu fahren. Mit etwas Verspätung kamen wir in der
Metropole an und stürzten uns in das Getümmel der Pariser Métro. Unser Weg sollte uns ins
sogenannte “Marais” führen, ein Stadtteil, der als Viertel der Juden und Homosexuellen
bekannt ist. Dort hatten wir dann die Möglichkeit, uns in Gruppen frei zu bewegen und die
Stadt auf eigene Faust zu erkunden.
Daraufhin trafen wir uns am “Hôtel de Ville“, dem prunkvollen Rathaus, um gemeinsam an
der Seine entlang zu spazieren. Von dort aus kamen wir an einigen Sehenswürdigkeiten
vorbei. Wir sahen die Pont Neuf und auch der nahegelegene Louvre war einen Besuch wert,
wobei wir ihn allerdings nur von außen betrachteten und ein Gruppenfoto vor der berühmten
Pyramide machten. Weiter ging es für uns durch den “Jardin des Tuileries”, von dem man
einen schönen Blick auf den “Place de la Concorde” und den “Arc de Triomphe” hatte. Auch
den Eiffelturm konnte man in der Ferne erblicken. Von dort aus, war es auch nicht mehr weit
zum Außenministerium (Ministère des affaires étrangères), wo wir aufgrund des Preises
empfangen wurden und mit Monsieur Bressolles und den französischen Schülern erneut
aufeinander trafen. Es erwartete uns ebenfalls Olivier Herz, der Sohn von Bertrand Herz,
nach welchem der Wettbewerb benannt ist. Bertrand Herz musste mit 14 Jahren zur Zeit des
NS-Regimes Zwangsarbeit im Konzentrationslager Buchenwald leisten und konnte nach
Ende des Krieges lebend daraus entkommen. Auch Jahre danach setzte er sich weiterhin
für das Gedenken an NS-Verbrechen ein und gab seine Geschichte an seinen Sohn weiter.
Er begleitete uns bei der Führung durch das Ministerium, in dem wir uns die prachtvollen
Räume anschauen durften und einige interessante Informationen dazu erhielten. Danach
fuhren wir alle zusammen zurück ins Marais, wo dann nach etwas Freizeit der letzte
Programmpunkt auf uns wartete. Wir versammelten uns in der bekannten Gedenkstätte
“Mémorial de la Shoah“ und hörten gespannt zu, wie Olivier Herz von seinem Vater
berichtete und unser Projekt lobte. Auch Mitarbeiter der Gedenkstätte kamen zu Wort, die
etwas zur Ausstellung erklärten, und eine Praktikantin, die sich für einen Freiwilligendienst
im Verein Convoi 77 entschieden hat, teilte ihre Erfahrungen mit uns. Den Abschluss, bevor
es zur Besichtigung der Gedenkstätte überging, machte eine Schülerin des
Burggymnasiums, die unsere Arbeit nochmal in wenigen Sätzen vorstellte und daran
erinnerte, wie wichtig es ist, den Opfern des Holocaust zu gedenken. Um unser Wissen
daraufhin abzurunden, schauten sich alle im Museum um. Die Krypta, ein sternförmiges
Symbol für sechs Millionen verstorbene Juden, sowie die Mauer der Namen (mur des noms)
und die Gedenkwand (le fronton) zeigten erneut die erheblichen Ausmaße der
Judenverfolgung zur Zeit des zweiten Weltkrieges. Nach der Besichtigung trennten sich
unsere Wege und sowohl die französische als auch unsere deutsche Gruppe machte sich
auf den Nachhauseweg.
Es war ein sehr schöner Tag, der uns von unseren mitwirkenden Lehrern Frau Kernec’h und
Herrn Grünewald sowie Frau Günther vom Institut français und Madame Klejman vom
Verein Convoi 77 beschert wurde und der uns noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Unser
erster Platz zeichnet die gute Zusammenarbeit beider Gruppen und das gemeinsame
Engagement der Lehrer und Schüler aus, weshalb alle, die daran mitgewirkt haben, sehr
stolz sein können!
Victoria Alt (MSS 12)