Die erste Frage, die am frühen Morgen gestellt wurde: „Perso?“ – Exkursion nach Bonn

Am Morgen des 6. Juni durften sich die Schülerinnen und Schüler des Sozialkunde-Leistungskurses der elften Jahrgangsstufe, sowie zwei Schüler aus dem Sozialkunde-Grundkurs mit großer Vorfreude im Foyer unserer Schule versammeln, denn all diese Schüler hatten eines gemeinsam: 
An diesem Donnerstag stand für jene politisch interessierten Schülerinnen und Schüler eine Exkursion nach Bonn zum Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) und anschließend ein Besuch im Haus der Geschichte auf der Tagesordnung. 
Man frage sich jetzt vielleicht, weshalb es gerade nach Bonn ging.
Dafür gibt es viele Gründe; unter anderem der Fakt, dass Bonn bis zur Wiedervereinigung die Bundeshauptstadt war.
Obwohl Bonn heute keine Hauptstadt mehr ist, kommt der Stadt in Nordrhein-Westfalen immer noch ein bedeutender Stellenwert in Kultur sowie Politik zugute, wie wir bei unserer Exkursion lernen sollten. Außerdem verband sich die erfreuliche Tatsache, dass unsere Exkursion von der Bundeswehr zum Teil organisiert und komplett finanziert wurde, gut mit dem Umstand, dass Bonn nach der Wiedervereinigung erster Sitz des Bundesministeriums der Verteidigung geblieben ist. 

Die erste Frage, die jeder Schülerin und jedem Schüler im Foyer am Donnerstagmorgen von Herr Weis gestellt wurde, lautete: „Perso?“
Diese Frage, ob jeder auch wirklich seinen Personalausweis mit sich führte, war vollkommen berechtigt, denn für den Besuch im Bundesministerium der Verteidigung war der Ausweis Grundvoraussetzung. 
Nachdem wir nach einer ungefähr dreistündigen Anfahrt endlich durch die Tore des Bundesministeriums der Verteidigung in Bonn fuhren, begrüßte uns Hauptmann Heim, der Jugendoffizier der Bundeswehr aus Saarlouis, ganz herzlich. 
Anschließend gab es nach der langen Anreise eine kurze Verschnaufpause – wir bekamen die Gelegenheit, uns im Besucherzentrum des BMVg kurz zu entspannen und kalte Getränke zu genießen. 
Die Verschnaufpause genutzt durften die Schülerinnen und Schüler einem Vortrag von Hauptmann Heim zuhören, der sich rund um die Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland drehte.
Eine besonders hohe Gewichtung kam dabei natürlich der Rolle der Bundeswehr zu.
Die innenpolitische wie außenpolitische Relevanz der Bundeswehr wurde während des Vortrages in besonderem Maße thematisiert. 
Unter anderem kam die Aktivität der Bundeswehr im Rahmen von Auslandseinsätzen zur Sprache.
Es wurden aber auch sicherheitspolitische Konzepte wie die Maslowsche Bedürfnishierarchie¹ thematisiert, die für Menschen international von Bedeutung ist. 
Interessant war die Feststellung, dass ein Großteil der Menschen in den Industrienationen die unterste Stufe der Bedürfnishierarchie als selbstverständlich ansehen. Die unterste Stufe der Bedürfnishierarchie bezeichnet unsere Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken oder Atmung. Es ist vollkommen ersichtlich, dass wir die Befriedigung dieser Grundbedürfnisse irgendwann als selbstverständlich ansehen. Jedoch stellten wir gemeinsam mit Hauptmann Heim fest, dass ohne die Sättigung von Bedürfnissen wie Hunger, Durst, etc. selbst Sicherheitsbedürfnisse als untergeordnet erscheinen. Kurzum: Ohne, dass Grundbedürfnisse wie Hunger oder Durst gestillt werden, kann erst gar keine Sicherheit gewährleistet werden. 
Informativ und überzeugend war die Präsentation von Hauptmann Heim zweifelsohne – nicht zuletzt, weil der Jugendoffizier der Bundeswehr aus Saarlouis die Präsentation mit Details über seine eigene Person ausschmückte. 
Nach dem aufschlussreichen Vortrag des Jugendoffiziers war es Mittag geworden und es wurde Zeit für eine richtige Stärkung. 
Also machten wir uns gemeinsam auf den Weg zur Mensa des BMVg, wo wir uns ordentlich kräftigten für unseren anschließenden Besuch im Haus der Geschichte in der Bonner Innenstadt.

Besonders am Haus der Geschichte in Bonn ist, dass es einige der ganz wenigen Museen ist, die sich unter der Trägerschaft des Bundes befinden. Im Haus der Geschichte wird die deutsche Zeitgeschichte seit 1945 dokumentiert und mit vielfältigen Ausstellungsstücken veranschaulicht. 
Wir kamen während unseres Besuches im Haus der Geschichte in den Genuss einer Führung durch das geschichtliche Museum, die uns innerhalb von kurzer Zeit einen aufklärenden Blick in die deutsche Geschichte verschaffte. 
Auffallend am Haus der Geschichte ist, dass das Museum zahlreiche Exponate beherbergt, die nur indirekt (zum Beispiel im außenpolitischen Rahmen) Einfluss auf die deutsche Geschichte ausübten. 
Ein besonders eindrucksvolles und zugleich tief erschütterndes Exponat fand sich ganz am Ende der Ausstellung – es handelte sich dabei um ein Stahlteil, das von einem der Zwillingstürme des World Trade Centers, die beide am 11. September 2001 einstürzten, abstammte. 
Das Stahlteil ragte hoch empor und es schaffte eine Verbindung zu einer Katastrophe, die vor dem 11. September 2001 als undenkbar galt. New York ist weit weg – da erscheint es oft schwierig, zu einem solchen Geschehnis eine persönliche Bindung herzustellen und somit das wahre Ausmaß zu realisieren. Der Anblick dieses Stahlteils löste jedoch bei mir persönlich genau eine solche persönliche Bindung aus und ließ mich in vielerlei Hinsicht tiefer in die Materie eindringen.

Nostalgie auf den Sitzen des „alten“ Bundestags, der in Bonn tagte

Ein großes Dankeschön richte ich im Namen der Sozialkunde-Kurse an Frau und Herrn Weis, die gemeinsam die Exkursion nach Bonn anboten, planten und ermöglichten. Die Reise weihte die Schülerinnen und Schüler in die Charakteristika der Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland ein und brachte uns die deutsche Zeitgeschichte seit 1945 durch Museumsexponate, ergänzend zum Schulunterricht, nahe. 

Simon Tritschler, Chefredakteur

¹ https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bedürfnishierarchie