Gedenken an die Befreiung von Auschwitz

Als die sowjetischen Soldaten am 27. Januar 1945 das Konzentrationslager Auschwitz erreichen, bietet sich ihnen ein Bild des Grauens: leere Blicke, abgemagerte, ausgezehrte Körper. Die meisten der ca. 7600 noch lebenden Häftlinge sind mehr tot als lebendig und viele werden auch noch an den Folgen der unmenschlichen Gefangenschaft sterben.
Krankheiten, Kälte und Hunger waren für sie allgegenwärtig.

Doch auch den Befreiern fehlt es an medizinischen Mitteln, um die Schwächsten, wenn auch nur notdürftig, versorgen zu können und das Essen das die Alliierten bei sich haben, vertragen die ausgehungerten Mägen meist nicht. Befreiung bedeutet hier also in erster Linie das Ende von täglichen Peinigungen durch Aufseher und das Ende von Erschießung, Vergasung , Verbrennung und der willkürlichen Gewalt gegen unschuldige Menschen.
Von den ca. 1 Million bereits ermordeten, größtenteils jüdischen Inhaftierten finden die Befreier 7,7 Tonnen Haar, 44.000 Paar Schuhe, Brillen, Kleidung, Schmuck und anderes Eigentum.

Sie vermitteln bis heute nur eine wage Vorstellung von dem, was an diesem Ort durchgeführt wurde. Man muss tatsächlich „durchgeführt“ sagen, denn dieser Massenmord ist nicht einfach „passiert“. Er wurde bürokratisch geplant und umgesetzt.

Das wohl bekannteste Beispiel dafür ist das 1940 in Polen errichtete Auschwitz, welches auch das größte KZ war. Außerdem war es das letzte Vernichtungslager, welches noch in Betrieb war, während andere längst von der SS geschlossen und teilweise sogar gänzlich vernichtet worden waren.

Das Datum der Befreiung wurde 1996 von dem damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zum offiziellen Gedenktag für die Opfer des NS-Regimes erklärt.
Dieses Jahr ist er vom Bundestag besonders denen gewidmet, die bei dem sogenannten „Euthanasie“- Programm umgekommen sind. Dabei ging es um die Vernichtung von psychisch und körperlich behinderten Menschen, ein Teil derer, deren Leben von den Nationalsozialisten nicht als lebenswert angesehen wurde. Bei dem Ausdruck „Euthanasie“ handelt es sich allerdings um einen zynischen Euphemismus, da er so viel wie „schöner Tod“ bedeutet.

Doch Auschwitz ist nicht nur ein Ort, nicht nur ein Lager. Es ist ein Synonym für den Völkerhass, den Faschismus und den Rassenwahn, der in dieser Zeit erstmals einen so großen Raum fand.
Ob aus Bergen-Belsen, Mauthausen, Theresienstadt, Buchenwald, Dachau, Sachsenhausen oder Majdanek, aus all diesen KZ’s gibt es bis heute Menschen, die mit dem Geschehenen leben müssen.
Nach 73 Jahren leiden sie noch unter dem Verlust ihrer Familien, unter Folgen der Gewalt oder ärztlichen Versuchen, die besonders an Zwillingen vorgenommen wurden und auch in manchen Fällen deren Kinder körperlich schädigen. Manche haben ihre Erlebnisse sofort niedergeschrieben, andere finden erst heute die Kraft davon zu berichten und wieder andere werden für immer darüber schweigen. Die Vergangenheit raubt ihnen den Schlaf, lässt sie nicht los und bleibt eine offene Wunde.

Doch ebenso bleiben sie auch uns in Erinnerung und das Wissen über ihr Schicksal muss zur Erkenntnis für unsere Zukunft werden.
Das Erinnern wird nie abgeschlossen.  Auch, wenn die Generation der Opfer und Täter ausstirbt und der Massenmord nicht die Schuld der heutigen Generationen ist , sind wir es ihnen schuldig, dass wir erinnern und verhindern.

Janna Dohrmann, MSS 13

Foto:Bundesarchiv Bild 183-R69919, KZ Auschwitz, Brillen