„Geschickt“

Wessen Fingerfertigkeit führte zu einem ungewöhnlichen Sieg?

Herr Gerhard Hollstein (links) 1978 bei der Bundeswehr

Herr Hollstein sicherte sich 1978 mit seiner Fernmeldeeinheit bei der Bundeswehr den Titel „Deutscher Heeresmeister“, und zwar im Schnellschreiben an der Schreibmaschine!

Perspektive: Wo und wann errangen Sie diesen Titel?

Herr Hollstein: Den Mannschaftstitel „Deutscher Heeresmeister“ im Schnellschreiben haben wir im Herbst 1978 in der Eifel-Kaserne in Gerolstein errungen.

Wir waren eine Fernmelde-Einheit und hatten sozusagen ein Heimspiel. Für den Sieg erhielten wir übrigens nicht nur eine Urkunde, sondern auch fünf Tage Sonderurlaub. Das war besser als jeder materielle Lohn.

Perspektive: Wie setzte sich die Mannschaft zusammen?

Herr Hollstein: So weit ich mich erinnere, waren wir um die zehn Soldaten pro Mannschaft. Die Aufstellung für die Meisterschaft kristallisierte sich erst während einer mehrwöchigen Trainingsphase heraus.

Perspektive: Wie sah der Wettkampf aus?

Herr Hollstein: Wir mussten auf Fernschreibmaschinen in drei Disziplinen antreten: einen zusammenhängenden Text, dann ein standardisiertes Fernschreiben und schließlich verschlüsselte Buchstabencodes (Fünfergruppen) abschreiben. Mit unseren Maschinen waren höchstens 400 Anschläge in der Minute möglich. Es kam also darauf an, einen Rhythmus zu finden, mit dem man diesen 400 möglichst nahe kam. Noch wichtiger war es allerdings, ohne Fehler zu schreiben, denn für jeden Fehler wurde eine bestimmte Anzahl von Anschlägen abgezogen.

Perspektive: Sehen Sie sich denn grundsätzlich als eine „Gewinner-Persönlichkeit“ an?

Herr Hollstein: Rückblickend kann ich auf jeden Fall sagen, dass ich oft die richtigen Entscheidungen getroffen habe. Insofern habe ich also schon vieles gewonnen.

Perspektive: Ist Ihrer Meinung nach Fleiß oder Talent wichtiger?

Herr Hollstein: Schwer zu sagen… Ganz ohne Talent geht es meist nicht, aber zum Erfolg braucht man doch in erster Linie Fleiß.

Perspektive: Haben Sie passend zum rhythmischen Tastengeklapper auch Musik gesummt oder gesungen?

Herr Hollstein: Sicherlich war es von Vorteil, dass ich als Kind jahrelang Klavierunterricht hatte. Dadurch waren nicht nur die Finger geschult, sondern auch das Rhythmusgefühl. Zu summen oder zu singen war während des Wettkampfs nicht erlaubt, aber entsprechende Musik hatte ich schon im Kopf.

Perspektive: Haben Sie danach einmal über eine Sekretärskarriere nachgedacht?

Herr Hollstein: Kurze Zeit nach dem Wettkampf wurde ich tatsächlich eine Art Sekretär, nämlich Zugschreiber; ich erledigte also die Schreibarbeit für unseren Feldwebel. Und bis heute fertige ich regelmäßig Niederschriften an, zum Beispiel als Protokollführer des Vereins der Freunde des BurgGymnasiums. Hauptberuflich Sekretär zu werden kam mir allerdings nie in den Sinn.

Perspektive: Sie wurden ja in der Abizeitung wiederholt in der Kategorie „Lehrer mit der größten Sauklaue“ nominiert. Hat der Wunsch, endlich einmal schöne Buchstaben produzieren zu können, Sie zusätzlich motiviert?

Herr Hollstein: Ich glaube, genau das Gegenteil ist der Fall. Durch das Training im Maschineschreiben und die Anforderung, besonders schnell zu schreiben, hat meine Handschrift zusätzlich gelitten. Schon vorher war sie unter Zeitdruck nicht gut leserlich, was auch damit zusammenhängt, dass ich als Linkshänder meistens mit der rechten Hand schreibe. Auch diese Beidhändigkeit mag mir übrigens beim Schnellschreibwettbewerb geholfen haben.

 

Janna Dohrmann, MSS 13

Foto: Privatbesitz Herr Hollstein

Ein Gedanke zu „„Geschickt“

  • 18. März 2018 um 15:33
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    Wie schade, dass das schon der letzte Artikel unserer Serie ist! 🙁

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