„Neben Löwen schlafen oder aus dem Flugzeug springen“

Welchem Lehrer traut ihr so viel Abenteuerlust zu?

Ganz ehrlich, hättet ihr Frau Schuh zugetraut, dass sie so taff ist? Ganz richtig, sie ist unser Indiana Jones der Lehrerschaft! Da ihre Abenteuer unglaublich spannend sind, habe ich erst mal ihre Einsendung zu unserer Befragung hinzugefügt, da es doch interessanter ist, ihre Erlebnisse von ihr selbst geschildert zu lesen, und dann habe ich sie noch mit einigen Fragen gelöchert.

„Ich, Sandra Schuh, bin ein Reise-aholic…ich reise so oft ich kann und so außergewöhnlich wie möglich. Wenn ich reise, dann am liebsten Reisen, die mich raus aus der Wohlfühlzone bringen. Am liebsten sind mir die Erfahrungen, die ich noch nie gemacht habe und die Orte, an denen ich noch nie war. So kommt es, dass ich in Asien schon nachts mit 11 Haien tauchen war, mit wilden Elefanten im Fluss gebadet habe und frittierte Skorpione gegessen habe. In Amerika bin ich zwei Wochen lang alleine durch fünf Staaten gefahren und habe dabei 5000km zurückgelegt und unter freiem Sternenhimmel neben heulenden Kojoten geschlafen. In Mittelamerika bin ich durch unterirdische dunkle Grotten getaucht und geriet zufällig in eine Bandenschießerei, bei der uns die Rückscheibe des Autos eingeworfen wurde. In Afrika war ich am tiefsten und heißesten Punkt der Erde, bin nachts bei 38 Grad auf einen brodelnden Vulkan gestiegen und habe in einem Zelt auf meinem Auto geschlafen, während neben mir die Löwen gebrüllt haben und das Auto gezittert hatte, wenn die Elefanten vorbeiliefen. Außerdem bin ich in 3000 Metern Höhe aus einem Flugzeug gesprungen und über Meer und Dünen geschwebt.
Persönliche Grenzen zu erkennen und zu überwinden finde ich spannend. Will Smith sagte eines meiner Lieblingszitate: On the other side of maximum fear are all the best things in life.“

Als ich den Text las, war ich erst überwältigt und konnte gar nicht glauben, was ich da gelesen habe…ich meine, ich würde mich niemals in meinem Leben aus einem Flugzeug stürzen!!! (Naja, wer weiß, was die Zukunft noch bringt…:D) Dann, als ich den Text ein drittes, ein viertes und sogar ein fünftes Mal las, wurde mir erst bewusst, dass das alles ein Mensch tatsächlich erlebt hat und das verdient meinen tiefsten Respekt. Hier kommen noch meine Interviewfragen, die der eine oder andere bestimmt auch noch spannend finden könnte:

Perspektive: Haben Sie jemals bei einem ihrer Ausflüge gedacht: „Oh Gott, wieso mache ich das eigentlich?!“

Frau Schuh: „Bis auf den Sprung aus dem Flugzeug habe ich mir das bei fast allen Reisen bzw. Aktionen zunächst gedacht. Besonders schlimm war es, als mich eine Freundin zu einem Nachttauchgang mit Haien überredet hatte. Unter Wasser war alles dunkel und man sah nur den Hai, den man gerade anleuchtete, aber zehn andere schwammen auch noch um uns herum. In dem Moment war ich nicht sehr begeistert von meiner Entscheidung, aber grundsätzlich gehört dieser Gedanke einfach dazu. Bisher habe ich noch keine Reise und keinen Ausflug bereut, sondern war danach eher froh und dachte: Zum Glück habe ich das gemacht!“

Perspektive: „Wie ist es so, actionfilmmäßig in eine Schießerei verwickelt zu sein? Wie ernst war die Situation wirklich?“

Frau Schuh: „Das war nicht geplant und dementsprechend beängstigend. Meine Freunde, die aus El Salvador kamen, merkten plötzlich, dass etwas nicht stimmte und meinten, wir sollten die Strandparty, auf der wir waren, so schnell wie möglich verlassen. Als wir im Auto saßen, eröffnete einer das Feuer und Leute begannen Dinge zu werfen. Einer zielte auf unser Auto und warf die Rückscheibe ein. Da hatte ich natürlich Angst. Mein Kumpel gab Gas und wir schafften es noch rechtzeitig heraus aus dem Tumult. Aber das war schon gefährlich.“

Perspektive: „Hatten Sie keine Angst, von einem Elefanten zertrampelt zu werden?“

Frau Schuh: „Nein. Elefanten sind faszinierende Tiere und haben auch Angst vor Menschen. Wenn sie nicht an Menschen gewohnt sind, muss man sie einfach genau beobachten und Abstand halten. Als sie im Nationalpark in Namibia über die Straße liefen, saßen wir alle still im Auto und haben sie beobachtet. Man kam sich ein bisschen vor wie im ‚Jurassic Park‘ – es war einfach wunderbar. Wenn man Respekt hat vor dem Tier und es als das sieht, was es ist, verhält man sich richtig.
In Thailand gibt es Rettungscamps für Elefanten, die früher in Gefangenschaft waren. Dort kann man sie sogar füttern und baden und mit Schlamm einschmieren, weil sie mit Menschen aufgewachsen sind, aber dort freiwillig die Nähe zu Menschen suchen. Da hab ich mit ihnen im Fluss gebadet und mit dem Elefantenbaby gespielt – das war genial!“

Perspektive: „Was ist Ihrer Meinung nach die Grenze zwischen ‚abenteuerlustig‘ und ‚lebensmüde‘?“

Frau Schuh: „Wenn man lebensmüde ist, ist man auch naiv, hat sich nicht richtig informiert, oder kennt seine Grenzen nicht. Wenn ich verreise, dann informiere ich mich. Das heißt, wenn ich zum Beispiel mit Haien tauche, dann weiß ich, dass sie keine Menschen fressen. Mann muss sehr aufmerksam und kritisch sein, wenn man sich in extreme Situationen begibt. Dinge, die zu gefährlich sind, oder von denen Menschen vor Ort abraten, mache ich nicht. Doch es besteht natürlich immer ein Restrisiko, dass etwas passiert, aber das habe ich zum Beispiel ja auch, wenn ich mit dem Fahrrad zur Schule fahre, oder im Europapark Achterbahn fahre.“

Perspektive: „Durch das Überschreiten der eigenen Grenzen gewinnt man an Stärke.“ Inwiefern können Sie dieses Zitat mit Ihren Reiseerfahrungen in Verbindung bringen?

Frau Schuh: „Das kann ich voll und ganz unterschreiben! Ich würde allen meinen SchülerInnen raten, sich einfach mal etwas zu trauen und was zu wagen im Leben. Wenn man es geschafft hat, ist man voller Stolz und ein bisschen mehr man selbst geworden. Seitdem ich diese Art von Reisen mache, traue ich mir auch mehr im Alltag zu und weiß, dass ich Dinge schaffen kann, die ich früher für unmöglich hielt. Man lernt sehr viel über sich selbst, über Risiko und über andere Menschen. Und man schaut in ein paar Jahren auf sein bisheriges Leben und denkt: ‚Cool, dass ich das alles geschafft und erlebt habe!‘ Mein Leben fühlt sich so für mich reicher und gelebter an.“

Perspektive: „Was war für Sie das ‚krasseste‘ Erlebnis bis jetzt?“

Frau Schuh: „Das krasseste Erlebnis war meine Nachtwanderung auf dem aktiven Vulkan Erta Ale in Äthiopien letztes Jahr. Wir sind nach einem anstrengenden Tag um 9 Uhr abends bei 37 Grad 15 hm hoch auf den Vulkankrater gestiegen, ohne großes Training und nur mit 3 Litern Wasser ausgerüstet – mehr konnte man nicht tragen. Der Plan war, oben drei Stunden Lava zu beobachten, am Außenkrater zwei Stunden zu schlafen und dann vor Morgengrauen – und vor allem vor der Hitze, wieder die 15 km nach unten zu steigen.

Kurz nach Mitternacht kamen wir dann oben am Krater an, aber der Weg dahin war das bis dahin Anstrengendste, das ich meinem Körper je zugemutet hatte. Ich fragte mich pausenlos: ‚Warum tu ich mir das an? Ich lege mich einfach hier auf die harte Lava und schlafe und warte, bis die Anderen morgen Früh zurückkommen!‘ Meine Beine brannten, meine Zunge war schwer, mein Mund trocken und ich musste mir das Wasser für den Abstieg einteilen. Die erste Flasche war sofort leer. Mein Körper wollte einfach nur noch schlafen und ich musste 3 Stunden lang dagegen ankämpfen.

Man fängt dann irgendwann im Geiste mit sich selbst zu reden, das fand ich erschreckend. Oben am Krater jedoch war es unglaublich spannend und die Müdigkeit war wie verflogen. Man steht einen Meter vor dem Abgrund des Vulkans und schaut hinunter in die brodelnde Lava. Ein unbeschreiblicher Anblick – und sehr selten. Einmal drehte jedoch der Wind in unsere Richtung und unser Guide schrie auf einmal: ‚Turn! Run!!!‘, denn der Wind trug die giftigen Gase der Lava zu uns. Wir versuchten wegzurennen, waren aber dann in der Wolke gefangen. Wir kauerten uns auf den Boden und hielten uns die Klamotten vor Mund und Nase. Da atmete ich für eine Minute keinen Sauerstoff mehr und dachte: ‚Jetzt ersticke ich!‘ Ich hatte ziemliche Panik. Zum Glück drehte der Wind noch rechtzeitig! Ich kann euch also noch ein bisschen länger mit französischer Grammatik und Shakespeare nerven! :-)“

 

Sandra Schorr, Klasse 10d

Foto: Privatbesitz Frau Schuh

Ein Gedanke zu „„Neben Löwen schlafen oder aus dem Flugzeug springen“

  • 8. März 2018 um 13:21
    Permalink

    Meinen großen Respekt!!!!

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