„Star Trek: Picard“ – Folge 1: Was will uns die Serie sagen?

Beitragsbild: Patrick Stewart bei der Comic Con 2019 in San Diego
Rechtliche Hinweise zum Bild: © Gage Skidmore, Verwendung unter CC BY-SA 2.0

Nachdem die Erwartungen an den neuen Spin Off des Star-Trek-Universums sehr groß waren, ist sie nun endlich veröffentlicht worden: die erste Folge von „Star Trek: Picard“.
Der fast 80-jährige Patrick Stewart ist in seiner Rolle als Jean-Luc Picard aus der Sternenflotte ausgeschieden und hat sich auf „Chateau Picard“ zurückgezogen, sein Weingut in Frankreich. Dort trinkt er – nein, keinen Wein, sondern „Tee: Earl Grey, heiß, entkoffeiniert (tea: Earl Grey, decaf)“. Der Zusatz „entkoffeiniert“ ist neu und wohl dem Alter geschuldet. Überhaupt scheint das Alter einen gewissen Tribut zu fordern in dieser Serie und man versucht das als komisches Element einzusetzen. Ob das allerdings immer gelingt, sei dahingestellt.

Die zwei Romulaner, die quasi als „Betreuer“ für Picard auftreten und die ihn bevormunden wie einen senilen Alten, gehen sogar so weit, ihm zu sagen, dass er das Händewaschen nicht vergessen soll. Das wird von Picard mit einer bissigen Bemerkung quittiert – ist das womöglich eine leise Gesellschaftskritik à la „wie respektlos gehen wir nur mit unseren älteren Mitmenschen um“?

Aber: so viele Banalitäten, wie in den ersten paar Minuten dieser Serie gab es während der gesamten „The Next Generation“-Staffeln nicht. So könnte der Dialog am Anfang zwischen Dahj (die „Heldin“ dieser ersten Folge, gespielt von der 21-Jährigen Isa Briones) und ihrem todgeweihten Freund in jeder Teenie-Serie vorkommen. Die Art und Weise Frühstücksfernsehen zu schauen und der Nachrichtensender „FNN – News of the Galaxy“ sind ein dermaßen erbärmlicher Abklatsch unseres heutigen Mainstreams, dass man sich fast wünscht, die hier beschriebene Zukunft möge uns erspart bleiben.

Es gibt eine seltsame Reminiszenz an die 50iger, wo Fernsehgeräte etwas Neues waren und nicht in jedem Haushalt verfügbar. In dieser Szene läuft ein Interview mit Picard auf mehreren Bildschirmen in einem Schaufenster, draußen regnet es Bindfäden, man hört das Interview über Außen-Lautsprecher und zwei Menschen mit Schirm bleiben kurz vor dem Schaufenster stehen, um Picard zu lauschen. Das erinnert an Szenen aus alten Filmen, in denen die technische Neuerung „Fernseher“ in den Schaufenstern der Städte ausgestellt war und das Programm der wenigen existierenden Fernsehsender zeigten. Diese Schaufenster zogen Trauben von Menschen an. Dieses Szenario nun abgewandelt in Picard wiederzufinden, mutet an wie ein Anachronismus.

Eine Frage, die sich aufdrängt, aber noch keine Lösung erfahren hat: In einigen Szenen sieht man die Weinberge des Weinguts und eine Art Drohnen, die über die Reben schweben und eine Flüssigkeit versprühen. Was genau versprühen die „Wingert-Drohnen“ da über den Reben? Müssen die Reben der Zukunft permanent gewässert werden? Ist es das Glyphosat der Zukunft? Liegt hier die Ursache, weshalb Picard lieber Earl Grey aus dem Replikator statt seinen eigenen Wein trinkt?

Aber Scherz beiseite. Die Anleihen, die hier optisch und symbolisch bei „Star Wars“ gemacht wurden, sind leider kein Scherz. Die Kampfszene am Anfang, wo Dahj gegen die „Schwarzhelme“ kämpfen muss, ist von der Optik her „Star Wars“ pur. Der Kapuzenmantel von Dahj würde jedem Jedi Ehre machen. Es gibt einen „Galaktischen Vertrag“ – eine weitere Anleihe bei „Star Wars“? Gleich am Anfang ist da die Städtearchitektur von „Greater Boston“, die von den „Star Wars“ Architekten stammen könnte und das Design vom „Borg-Kubus“ hat noch nie dermaßen stark an den Todesstern erinnert, wie hier. Die Geräusche am Ende und die Aufnahmen der „romulanischen Rückgewinnungseinrichtung“ sind wieder „Star Wars“ pur.

Aber es ist nicht nur „Star Wars“. Die Aufmachung des jungen Romulaners am Ende dieser ersten Folge lässt an „Herr der Ringe“ denken. Bei der Visualisierung von Dahjs Suche nach Picard mag vielleicht mancher an die „Mind Maps“ in „Sherlock“ denken, wo Benedict Cumberbatch den genialen Detektiv verkörpert. Kurz: es ist die Originalität, an der es „Picard“ mangelt. Aber, was nicht ist, kann ja noch werden.

Nach dieser harschen Kritik gibt es jedoch auch durchaus Positives, das man dieser ersten Folge abgewinnen kann: Patrick Stewart als Jean-Luc Picard beweist Humor, indem er mit seinem Hund, der auf den Namen „Nummer Eins“ hört, französisch spricht. Wieso ist das witzig? Als in den 80ern das Casting für „The Next Generation“ stattfand, weigerte sich Stewart auch nur ein Wort französisch zu sprechen. Obwohl Jean–Luc Picard Franzose ist. Diese Geschichte entwickelte sich um Laufe der Zeit zum „Running Gag“ und es ging sogar soweit, dass die Crewmitglieder sagten, Französisch sei im Star-Trek-Universum eine tote Sprache.
Augenzwinkernd geht Stewart nun darauf ein, indem er extra ein wenig Französisch gelernt hat und einen vielsagenden Dialog auf französisch mit Nummer Eins führt.

Patrick Stewart sagte in einem Interview, er habe sich nur dazu hinreißen lassen, nochmal in die Rolle des Jean-Luc Picard zu schlüpfen, weil die Geschichte so außergewöhnlich sei und anders als alles, was man bisher von „Star Trek“ gewöhnt sei. Also heißt es: unbedingt Weiterschauen.

Simon Tritschler, Chefredakteur