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Und die Zeit nimmt ihren Lauf

„Springer in 1875“ feiert Premiere am BurgGymnasium

Die Bühne erleuchtet in einem halbdunklen Licht, es erklingt Morricones melancholischer Soundtrack zu „Once upon a time in the West“. Ein Zahnrad ist mittig zu erkennen. Acht Wächter in langen schwarzen Steam-Punk-Mänteln nehmen ihre Stellung ein. Es sind die Wächter der Zeit. Der Zeit, die niemals vergisst. Die man weder aufhalten, noch ihr entfliehen kann. „Und jeder Versuch, sie zu beugen zieht einen Schatten nach sich.“ Mit diesem düsteren Omen verlassen die Wächter die Szene und der Zuschauer befindet sich mit sieben Schülerinnen und Schülern in einer Schule, genauer gesagt, im Keller, wo die Jugendlichen als Strafe für verschiedene Verstöße aufräumen müssen. Als ein Mädchen ein Medaillon findet, nimmt das Geschehen seinen Lauf: Die Gruppe wird durch die Zeit katapultiert und landet – am gleichen Ort – mitten im Jahr 1875, wo eine Reihe junger Mädchen der damaligen Bildungsanstalt gerade das Thronjubiläum ihres Kaisers feiert und „Heil dir im Siegerkranz“ einübt. Kann das wirklich wahr sein? Sind sie wahrhaftig in der Zeit gesprungen?
Das Stück „Springer in eins acht sieben fünf“, eine Eigenproduktion der Theater-AG des BurgGymnasiums, feierte am 13. Juni 2025 in der vollbesetzten Aula seine Premiere. Das Stück basiert auf wahren Begebenheiten der Geschichte des BurgGymnasiums, was es ebenso spannend wie herausfordernd macht. Während ihrer Reise springen die Jugendlichen in unterschiedliche Jahrzehnte, beginnend 1875 nach 1967, wo die jungen Damen in bunten Petticoats gerade ihrem Helden Udo Jürgens entgegenfiebern, der just an diesem Tag rote Rosen in der Innenstadt verschenken soll. Jedoch hat der Direktor die Schülerinnen in der Anstalt eingesperrt. Auch durch die entbehrungsreiche Nachkriegszeit und die bunten 1980er Jahre bis hin in das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte 1938 verschlägt es die Gruppe, die es nicht lassen kann, in der ein oder anderen Zeit scheinbar helfend einzugreifen. Doch die Konsequenzen sind fatal und so sind die Wächter alarmiert, die Geschichte wieder herzustellen. Wird ihnen dies gelingen? Und kann es wirklich richtig sein, Geschehnisse, die offensichtlich so falsch und ungerecht sind, einfach ihren Lauf nehmen zu lassen?

Mit „Springer in eins acht sieben fünf“ ist der Theater-AG unter der Leitung von Simone und Frank Busch passend zum 150. Jubiläum der Schule ein spannendes, lustiges, aber auch trauriges und nachdenkliches Stück gelungen, was den Zuschauer auf einzigartige Weise mit in die Vergangenheit der Schule nimmt, ihn mittanzen, mitfiebern und mitfühlen lässt. Aber auch erschrocken und nachdenklich stimmt, beispielsweise wenn die jungen Mädchen der Nachkriegszeit in ihrem vom Krieg zerstörten Klassensaal das gefundene Apple-Tablet wegwerfen und stattdessen einen einfachen Schreibblock an sich nehmen: „Aber das hat Bedeutung, das ist Papier“. Oder wenn eine schwarzgekleidete Menschenmasse 1938 im Gleichschritt marschierend ein unschuldiges jüdisches Mädchen aus ihrer Mitte verstößt: „Du raus!“

Die Szenen bleiben aber vor allem auch durch die sehenswerten authentischen Kostüme, die vom samtig-schwarzen Festtagskleid bis hin zur neonfarbenen Legggings reichen, sowie liebevollen Requisiten wie ein Kasten Coca Cola oder ein Plattenspieler und die perfekt ausgewählte zeitgenössische Musik vom Militärmarsch bis hin zum Rock der 1980 Jahre in Erinnerung. Nicht zuletzt sorgen die 39 Schauspielerinnen und Schauspieler in ihrer großartigen Darbietung dafür, den historischen Episoden und der spannenden Handlung Leben einzuhauchen. Sei es mit vollem Körpereinsatz (beeindruckend: William Kane), mitreißenden emotionalen Darbietungen (herausragend: Fabienne Schuler, Paul Schieffer, Azhin Babakhani, Emma Mägel, Mia Reuland, Marie Okindo, Isabell Klädtke, Celine Schuler, Akméja Butkuté) oder souveräner Coolness (großartig: Sophie Nittmann, Birte Böckly, Ben Terner, Luana Menches). Mit Standing Ovations wurden alle Darstellerinnen und Darsteller und natürlich Simone und Frank Busch daher zu Recht für ihre sensationelle Darbietung belohnt. Unser Fazit: Ein absolut sehenswertes Stück!

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