Kommentar: Bundesliga in leeren Stadien

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Nach langer Unterbrechung soll die Bundesliga am Freitag, den 17. Mai in leeren Stadien fortgesetzt werden. Jeder, der die Ansicht, dass COVID-19-Tests welche für Spieltage geopfert werden um, Trainer, Spieler Schiedsrichter zu testen, verschwendete Ressourcen sind. Der hat nicht ganz Unrecht. Es stimmt natürlich auch, dass Maskenpflicht und Abstand beim Fußball nicht funktioniert. Denn Fußball ist eben ein Mannschafts- und Kontaktsport. Der DFB hat zwar ein Hygienekonzept für die Proficlubs entwickelt, aber der Fall Salomon Kalou zeigt uns, dass kein Konzept funktioniert, wenn sich nicht alle daranhalten.

In den letzten Wochen wurden nahezu alle Veranstaltungen abgesagt. Somit fällt ein Großteil an Unterhaltung weg. Für mich persönlich wäre die 180 Auflage des „Revierderbys“ (Die Partie FC Schalke 04 vs. Borussia Dortmund) eine perfekte Ablenkung zum aktuell eher tristen Alltag. Bestimmt gibt es noch einige andere, die gerne wieder Live-Sport sehen wollen. Und wenn ich wieder Sport sehen kann, bin ich dafür bereit, auf die Atmosphäre eines Flutlichtspiels auf dem Betzenberg zu verzichten, auch wenn ich sie vermisse. Außerdem denke ich, dass es fairer ist, die Saison fertig zu spielen, anstatt sie am grünen Tisch zu entscheiden. Denn wenn wir mal über den Ärmelkanal blicken, finden wir einen Fußballklub, für den ein Saisonabbruch unfair wäre. Der FC Liverpool hätte ohne die Pandemie nach über 30 Jahren wieder Meister werden können. Denn die sogenannten „Reds“ haben unter der Leitung von Jürgen Klopp eine phänomenale Saison abgeliefert. Der Verein hat von 29 Spielen 27 gewonnen und hat als Tabellenerster 35 Punkte Vorsprung auf den zweiten Platz. Damit der Verein rechnerisch Meister wäre, fehlen ihm noch sechs Punkte, was zwei Siegen entspricht. Wäre es gerecht, nach solch einer Leistung die Saison zu annullieren und die Mannschaft um ihre verdiente Leistung zu bringen? Natürlich könnte man die Saison beenden und Liverpool zum Meister erklären. Aber dieses Vorgehen ist auch vertrackt, denn: Theoretisch wäre eine Serie von Niederlagen bis zum Saisonende von Jürgen Klopps Team möglich, auch wenn dies, angesichts der gezeigten Leistung, unwahrscheinlich erscheint. Denn dadurch könnte Manchester City doch noch den Titel holen. Der Titelkampf ist eben noch offen. Und gerade im Fußball werden Meisterschaften sehr häufig am letzten Spieltag entschieden. Natürlich gilt dieses Problem auch für die Vereine im Abstiegskampf. 

Das Beispiel Liverpool verdeutlicht nur nochmal, dass es manchmal Saisons gibt, in denen für einen Verein oder Sportler einfach alles perfekt läuft und die Leistung einmalig ist. Eine passende Anekdote im deutschen Fußball kennen wohl die meisten Fußballfans unter unseren Lesern. Nämlich die Bundesligasaison 97/98, als der 1.FC Kaiserslautern als erster und bis heute einziger Aufsteiger deutscher Fußballmeister wird. Seit damals hat der Club keinen großen Erfolg mehr gehabt. 

Doch diesen einen Moment haben auch Sportler in anderen Sportarten. So zum Beispiel der deutsche Skispringer Sven Hannawald. Hannawald gewann 2002 als erster Sportler die Vierschanzentournee mit Siegen in allen vier Wettbewerben. Er war zwar auch danach im Skispringen noch erfolgreich, doch er gewann danach nie wieder die Vierschanzentournee. Außerdem gelang es erst 2018 wieder einem Skispringer alle vier Wettbewerbe zu gewinnen.

Nachdem nun Pro und Contra bekannt sind, komme ich zu meinem Fazit.

Ja, ich werde mir die Bundesliga anschauen. Aber wenn der Fußball wieder rollen darf, dann müssen die Saisons anderer Sportarten auch fortgesetzt werden. Denn der Fußball steht meiner Meinung nicht über Handball, Tennis, Boxen oder Basketball. Das viele Geld, dass im Fußball generiert und investiert wird, gibt ihm nicht das Recht, bevorzugt zu werden. Der Fußball verdient die gleiche Behandlung wie alle anderen Sportarten

Max Opel, MSS 12